Die negative Einschätzung Kesicis geht laut einem Sprecher Schavans auf das Bundesinnenministerium zurück. Im Klartext: Der Staatsschutz hatte Bedenken. Kesici selbst bemerkt im Gespräch mit ZEIT ONLINE, dass Verfassungsschützer ihn der internationalen Gemeinschaft Milli Görüs zurechnen – und der Gemeinschaft werfen sie "schwerwiegende Demokratiedefizite" vor. Kesici bekennt, für die Ideologie von Milli Görüs aufgeschlossen zu sein. Er sei aber wegen der fraglichen Kandidatur in Münster von keiner Behörde gehört worden, sagt er. Was auch nicht notwendig sei, bestätigt das Schavan-Ministerium trocken.

Das NRW-Schulministerium hingegen hat seine Beiratsmitglieder nicht auf Verfassungstreue überprüft, sondern die Vorschläge des KRM einfach akzeptiert, wie die Ministeriumssprecherin einräumt. Das überrascht, denn in den Kirchen wird anders verfahren. Die katholischen Bischöfe, von denen die Lehrerlaubnis abhängt, müssen beim Amtsantritt auf die Verfassung schwören. Und die leitenden Beamten der Evangelischen Kirche kommen nur ins Amt, wenn die jeweilige Landesregierung dies für unbedenklich hält. Darüber hinaus bindet das Schulgesetz auch den Beirat an das Grundgesetz. Es besagt: "Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt" (Artikel 7.3).

Die Mehrheitsfraktionen von SPD und Grünen ersparen sich jeden Kommentar zur Formlosigkeit der Regierung gegenüber den Beiratsmitgliedern. Für die CDU-Landtagsopposition erklärt Klaus Kaiser vom Fraktionsvorstand: "Sollte ein Beiratsmitglied einer verfassungsfeindlichen Organisation auch nur nahestehen, ist das für uns untragbar. Es geht um die religiöse Erziehung von Kindern unter dem Schutz des Staates."

Zum Aufsichtsrecht des Staates als Hüter der Verfassung gehört mithin automatisch die Verpflichtung, Religion an seinen Schulen nur im Sinne des Grundgesetzes zuzulassen und zu gestalten. Ob dabei beispielsweise die Gedankenwelt von Milli Görus zur Geltung kommen darf, muss also eine schulpolitische Entscheidung sein. Im Namen der Religionsfreiheit kann sie nicht umgangen werden.