ZEIT ONLINE: Was würden Sie der CDU raten? Die Flucht nach vorne?

Langguth: Ich halte die Linie von Volker Kauder prinzipiell richtig. Er sagt, man werde nun prüfen, inwiefern man noch über das Urteil hinausgehen muss. Besser, die CDU macht nun einen klaren Strich und erkennt die Gleichstellung zähneknirschend an, als dass sie stückchenweise den Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts hinterherlaufen muss. Aber ich bin mir nicht sicher, ob dies passiert. Es ist sehr schwierig für die Partei. Das zeigen ja auch die aktuellen Reaktionen.

ZEIT ONLINE: Ein Kompromiss könnte die Einführung eines Familiengattensplittings im Steuerrecht sein. Davon würden nur Partnerschaften mit Kindern profitieren.

Langguth: Das wäre ein Weg. Doch ein solcher Umbau des Steuersystems ist eine grundlegende Veränderung. Viele CDU-Anhänger wollen keine Veränderung. Sie denken: Was bedeutet das für mich? Es ist auch fraglich, ob die kinderlos gebliebene Mann-Frau-Ehe bestraft werden sollte. Die wenigsten sind freiwillig kinderlos.

ZEIT ONLINE: CSU-Chef Horst Seehofer ist der Meinung: Egal, was das höchste Gericht sagt, eine gewisse Privilegierung der Ehe muss weiterhin gegeben sein. Ist das nicht eine Missachtung des Rechtsstaats?

Langguth: Nein, ich finde, man kann schon zum Ausdruck bringen, dass man nicht einer Meinung mit den Verfassungsrichtern ist. Auf Dauer werden sich die konservativen Parteien darüber Gedanken machen müssen, wie der grundgesetzlich gebotene Schutz der Mann-Frau-Ehe aufrecht erhalten werden kann.