Wortkarg wurden beide Verfassungsschützer, als es um die Vorstrafen ihres Spitzels ging. Staatsanwaltschaftliche Verfahren gegen Brandt vor 1998 seien ihm nicht bekannt, sagte Wießner. Der Neonazi selbst sagte den Thüringer Untersuchungsgremien: "Der Verfassungsschutz hat die Anwaltskosten für mich stets gezahlt." Vor Hausdurchsuchungen sei er gewarnt worden und habe seinen Computer in ein öffentliches Schließfach bringen können. "Bis auf zwei Ausnahmen ist Tino Brandt vor Durchsuchungen gewarnt worden", sagt auch die Linke-Abgeordnete Petra Pau. Bode gab im Ausschuss zu, Brandt rechtextreme Zeitschriften abgenommen zu haben, damit dieser keinen Ärger mit der Polizei bekomme. Man wollte die eigene Quelle nicht beschädigen.

Wollte der Thüringer Dienst in den neunziger Jahren auch Beate Zschäpe als Spitzel anwerben? Wießner widersprach dem im Ausschuss. Das Landesamt für Verfassungsschutz habe damals schon rein formal gar nicht mit Frauen in der rechtsextremen Szene zusammenarbeiten dürfen, sagte er. Wegen der privat anmutenden Treffen müsse ein weiblicher Spitzel immer auch von einem weiblichen Geheimdienst-Mitglied geführt werden – "aus Sicherheitsgründen sag ich mal". So seien die Regeln. "Oder von zwei Männern, statt nur einem." Die Begründung, Zschäpe sei als V-Frau wegen ihres Drogenkonsums abgelehnt worden, höre er zum ersten Mal, sagte der ehemalige Verfassungsschützer. In den Akten des Untersuchungsausschuss befindet sich allerdings ein entsprechender Hinweis.

Was stimmt und was nicht? Es ist die ewige Frage, mit der sich die Abgeordneten des Untersuchungsausschusses herumplagen. Allzu oft widersprechen sich die Zeugen, oder sie geben an, sich nicht mehr erinnern zu können. "Einer lügt" – das ist für die Abgeordneten zum geflügelten Wort geworden, das immer dann fällt, wenn wieder Vertreter der Sicherheitsszene diametral unterschiedliche Aussagen zu ein und demselben Thema abgeben.

Pensionär eher informiert als die Spitze des Verfassungsschutzes

Wunderlich klingt auch, was Wießner darüber berichtete, wie er vom Auffliegen der NSU-Terrorgruppe erfahren habe. Kurz nach Auffinden der Leichen von Mundlos und Böhnhardt am 4. November 2011 habe bei ihm, dem damals schon pensionierten Verfassungsschützer, das Festnetztelefon geklingelt. Der Leiter der Polizeidirektion Gotha habe ihm von den beiden Toten erzählt und ihn gefragt, ob er wisse, wo Zschäpe sei. Wießner behauptet, den Polizeidirektor an den NPD-Kader Ralf Wohlleben verwiesen zu haben, der wegen seiner engen Verflechtungen zum NSU-Trio aktuell in Untersuchungshaft sitzt.

Die Episode ist rätselhaft. Bevor die Leichen von Böhnhardt und Mundlos gefunden wurden, lebte das Trio bereits 13 Jahre im Untergrund, von den Fahndungslisten war es längst verschwunden. Wie konnte also ein einfacher Polizeidirektor so schnell die Verbindung von zwei männlichen Toten zu Beate Zschäpe herstellen? Und warum wurde ausgerechnet der Pensionär Wießner noch vor den aktuellen Spitzen des Thüringer Verfassungsschutzes informiert? Die erfuhren erst drei Tage später von dem Wohnwagenbrand.