Die Gefahr, wirtschaftlich abgehängt zu werden, ist für Migranten besonders hoch. Laut Kinder- und Jugendbericht sind 25,7 Prozent der Elf- bis Zwanzigjährigen mit Migrationshintergrund von Armut betroffen, gegenüber 15,2 Prozent der Jugendlichen ohne.

In Migrantenfamilien helfen häufiger die Verwandten

Barbara Winter arbeitet im SOS-Kinderdorf in Berlin-Moabit, einem Stadtteil, in dem mehr als 40 Prozent der Bewohner einen Migrationshintergrund haben. Doch obwohl die Armutsquote der Migranten so viel höher ist, kommen die meisten Pflegekinder in den Berliner SOS-Kinderdorffamilien aus zumindest teilweise deutschen Familien. Winter führt das auf die traditionellen Strukturen zurück, die in vielen türkischen und arabischen Familien stärker ausgeprägt seien. Probleme könnten deshalb eher in der Verwandtschaft aufgefangen werden. Gleichzeitig falle es dadurch aber auch tendenziell später auf, wenn ein Kind gefährdet sei.

Die Bundesregierung verweist in einer Stellungnahme zum Kinder- und Jugendbericht auf eine Initiative des Familienministeriums, die Jugendpolitik als eigenständigen Themenkomplex etablieren soll. Einen Schwerpunkt sollen dabei Lern- und Bildungsorte bilden, unter anderem durch den Ausbau von Ganztagsschulen.

Die Kosten bleiben an den Kommunen hängen

Die Expertenkommission fordert jedoch darüber hinaus ein stärkeres finanzielles Engagement des Bundes. Aktuell trägt der Bund nur etwas mehr als ein Prozent der jährlichen Kosten von fast 29 Milliarden Euro, die Länder knapp 29 Prozent. Für den Löwenanteil von rund 70 Prozent müssen die Kommunen aufkommen.

Damit sind viele Gemeinden überfordert. Diese Erfahrung macht auch das Kinderdorf in Berlin-Moabit: "Die finanziellen Mittel vom Senat und vom Bezirk sind erschöpft, aber der Bedarf an Kinder- und Jugendhilfe wächst", sagt Winter. "Ich habe den Eindruck, dass die Politik die Fähigkeit verliert, die Dinge in die richtige Richtung zu steuern."