Sogar Angela Merkel hat sich eingemischt. Die Kanzlerin, die so oft auf Konsens bedacht ist, machte ihre Haltung zur doppelten Staatsbürgerschaft klar: Sie sieht keinen Änderungsbedarf.

Geht es nach ihr, bleibt es bei der aktuellen Regelung, also auch bei der Optionspflicht. Die sieht vor, dass in Deutschland geborene Kinder, deren Eltern beide keine Deutschen sind, zwar zunächst eine doppelte Staatsangehörigkeit bekommen. Sie müssen sich aber zwischen dem 18. und 23. Lebensjahr für eine Nationalität entscheiden. In diesem Jahr, auch das macht die Sache zum Wahlkampfthema, läuft die Frist für die ersten Optionspflichtigen mit ihrem 23. Geburtstag ab.

Die Sozialdemokraten halten diese Regel für falsch. Sie haben angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs und in einer Koalition mit den Grünen die doppelte Staatsbürgerschaft dauerhaft, also ohne Optionspflicht, einzuführen. Viele Beobachter glauben zwar, dass der Wahlkampf leidenschaftslos ausfallen könnte. Aber das Thema Integration könnte doch noch zum Zankapfel der politischen Lager werden.

Schon im Jahr 1998 wollte die gerade gewählte rot-grüne Bundesregierung mit einer Reform des Staatsbürgerschaftsrechts die Mehrstaatigkeit grundsätzlich erlauben. Doch die Union brachte den Plan mit einer Unterschriftenaktion zum Scheitern. Mehr als eine Million Menschen unterschrieben. Rot-Grün verlor daraufhin 1999 mit der Landtagswahl in Hessen auch die Mehrheit im Bundesrat. Die Gesetzespläne mussten neu verhandelt werden. Daraus entstand die Optionspflicht.

Jeder zweite Migrant hält den Doppelpass für wichtig

Müssen die Sozialdemokraten einen derartigen Rückschlag erneut fürchten? Ihr Vorsitzender Sigmar Gabriel ist sich sicher, dass sich die gesellschaftliche Haltung seit 1999 geändert hat. "Wenn die Union sich tatsächlich traut, noch einmal einen ausländerfeindlichen Wahlkampf zu machen, wird sie verlieren", sagte er der Frankfurter Rundschau.

Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge glauben allerdings nur 39 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund, dass der Doppelpass "für attraktive Lebensbedingungen" der Zuwanderer wichtig sei. Migranten stimmten zu 52 Prozent zu. Insgesamt haben die Befragten 14 andere Vorschläge als wichtiger eingestuft.

Kann man mit so einem Thema also Wähler mobilisieren? "Die SPD wird die Wahl deswegen jedenfalls nicht verlieren", sagt Rüdiger Veit, Sprecher der SPD-Arbeitsgruppe Integration und Migration. Er weist darauf hin, dass seine Partei seit Einführung der Optionspflicht in jeder Legislaturperiode mindestens einen Antrag eingebracht habe, um diese Regelung zu ändern. Das dürfte laut Bertelsmann-Studie vor allem junge Wähler ansprechen.