Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat das Angebot der Staatsanwaltschaft Hannover zur Einstellung der Korruptionsermittlungen endgültig abgelehnt. Das teilten seine Anwälte mit. Wulff muss nun mit einer Anklage rechnen.

Die Staatsanwaltschaft hatte angeboten, das Verfahren gegen Wulff gegen Geldauflage von 20.000 Euro einzustellen. Dessen Anwälte sagten nun, Wulff wolle die vollständige Einstellung des Verfahrens erreichen. Ziel sei es, Wulff "vollständig zu rehabilitieren und zu entlasten".

In der Erklärung hieß es weiter: "Herr Wulff hat sich entschlossen zu kämpfen." Die Anwälte kritisierten die "öffentlichen Vorverurteilungen" und übten auch Kritik an dem Angebot der Staatsanwaltschaft. Dieses habe offensichtliche Nachteile für Wulff. Mitte März hatte die Staatsanwaltschaft dem Politiker angeboten, das Verfahren gegen Zahlung von Geldauflagen einzustellen.

Einige Vorwürfe sind inzwischen fallengelassen

Wulffs Anwälte räumten ein, dass die Ablehnung dieses Angebots eine "Entscheidung von erheblichem Gewicht" sei. Sie macht einen Prozess gegen den früheren Bundespräsidenten wahrscheinlicher. Wulff hatte das Amt 2012 niedergelegt, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit aufgenommen hatte. Kern des Ermittlungsverfahrens wegen Bestechlichkeit waren Wulffs Beziehungen zu vermögenden Freunden in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident.

Einige Vorwürfe sind inzwischen fallengelassen worden, zuletzt ging es nur noch um die Bezahlung eines Hotelaufenthalts beim Münchner Oktoberfest 2008. Filmproduzent David Groenewold hatte für das Ehepaar Wulff Kosten in Höhe von 754 Euro übernommen, nach eigener Aussage ohne Wulffs Wissen. Kurz danach setzte sich Wulff in einem Schreiben an Siemens-Chef Peter Löscher für ein Filmprojekt Groenewolds ein.

Auch Groenewold lehnte das Angebot der Staatsanwaltschaft ab. "Schon vor Einleitung der Ermittlungen haben wir stets betont, dass sich unser Mandant nichts vorzuwerfen hat", sagte Anwalt Christian-Oliver Moser. Groenewold hätte 30.000 Euro zahlen sollen, damit er einer Anklage entgeht.