Der Göttinger Parteienforscher Franz Walter soll den Einfluss von Pädophilie-Befürwortern bei den Grünen analysieren. Die Partei habe das Institut für Demokratieforschung gebeten, sich im Rahmen eines von der Partei geförderten Forschungsprojektes mit dem Thema zu befassen, sagte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke Spiegel Online.

Die beteiligten Wissenschaftler um den 57-jährigen Walter seien völlig frei und unabhängig in Bezug auf die genaue Fragestellung, sagte Lemke. Gleiches gelte für Umfang und Durchführung der Untersuchung und auch für die Veröffentlichung der Ergebnisse. Einen Zeitplan für die Veröffentlichung gibt es demnach nicht. Für die Untersuchung sollen die Wissenschaftler uneingeschränkten Zugang zu Akten, Protokollen und sonstigen für die Grünen verfügbaren Informationen bekommen.

In den vergangenen Wochen war immer wieder darüber debattiert worden, wie die Partei ihre Vergangenheit aufarbeiten könnte.

Die Debatte um den möglichen Einfluss pädophiler Gruppierungen auf die Grünen war vor wenigen Wochen erneut aufgekommen, als der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, seine Festrede zu einer Preisverleihung an Daniel Cohn-Bendit abgesagt hatte.

Der heutige Europapolitiker hatte 1975 in seinem halb fiktiven Buch Der große Basar über seine Zeit als Erzieher geschrieben. Darin sagt er, dass Kinder seine Hose geöffnet und ihn gestreichelt hätten. Die Grünen hatten zudem auf mehreren Parteitagen in den achtziger Jahren erlaubt, dass sogenannte Stadtindianer-Kommunen für pädophile Anliegen agitierten.

Cohn-Bendit bezeichnete die Äußerungen wiederholt als dumme Provokation. Aus den anderen Parteien kam teils heftige Kritik, die bis zu Rücktrittsforderungen reichte.