Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat sich dem Verteidigungsausschuss des Bundestages gestellt. Grund für einen Rücktritt sieht er nicht, obwohl er eingestand, dass sein Ministerium bei der mittlerweile gestoppten Beschaffung bewaffneter Drohnen Fehler machte. Kommentatoren diskutieren seinen Führungsstil.

Die Schwäbische Zeitung ist der Meinung, dass de Maizière sein Ministerium nur ungenügend steuert. "Wenn das Ministerium wirklich solch ein Eigenleben führt, dass der Minister von nichts wusste, dann hat er seinen Laden nicht im Griff. Hinzu kommt: Bei einer Truppe, die zum Sparen verdammt ist, dürfte es für gelindes Erstaunen sorgen, wenn Millionen für Projekte ausgegeben werden, die am Ende nicht verwirklicht werden können." Nach Ansicht des Autors wird de Maiziére die Angelegenheit jedoch überstehen. "Denn erstens sind nicht alle Pannen beim Euro Hawk de Maizière anzulasten. Zweitens: Angela Merkels Personaldecke ist dünn."

Die Westdeutsche Zeitung beschreibt den Führungsstil des Ministers: "Thomas de Maizière wusste, dass er den unbequemsten Stuhl in Kanzlerin Merkels Kabinett übernahm, als er im März 2011 auf Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister folgte. Das Ressort ist verkrustet, seit Jahrzehnten folgt Reform auf Reform – aber keine wird zu Ende geführt. Das sollte der ruhige Generalssohn ändern. Sein Prinzip: Sachlichkeit und Überblick bewahren." Für die Kanzlerin sei dieser Ansatz jedoch der richtige. "De Maizière ist für sie nach wie vor alternativlos. Der Rüstungsbereich ist seit jeher die Achillesferse des Ministeriums. Schnell geht es um Milliarden, je komplexer der Sachverhalt, desto eher ist man geneigt, sich auf Köpfe zu konzentrieren."

Für Beate Tenfelde von der Neuen Osnabrücker Zeitung steht fest: "Jetzt aber ist das Standbild des pflichtbewussten Preußen in sich  zusammengekracht. Es staubte gewaltig, denn de Mazières Fallhöhe war groß. Ihm ging der Ruf voraus, jede Aufgabe zu beherrschen – die Ordnung des Chaos im Bundesverteidigungsministerium gehörte ohne Zweifel dazu." Dass der Minister die politische Verantwortung des gescheiterten Projekts auf seine beiden Staatssekretäre abwälzt, sei jedoch nicht die richtige Lösung gewesen. "Nachgehakt hat der überaus korrekte Minister bei Andeutung von Schwierigkeiten Anfang März 2012 allerdings auch nicht. Da hat der Primus im Bundeskabinett nicht aufgepasst."

Für die Stuttgarter Zeitung sind die Konsequenzen klar: "De Maizière steht in der Pflicht – jetzt erst recht. Sein Ruf ist lädiert. Ausgerechnet der preußische Tugendmensch hat im Verteidigungsministerium nichts zum Besseren gewendet. Deshalb wird er nur dann nicht als Verlierer aus der größten Krise seiner Laufbahn hervorgehen, wenn er das Systemversagen resolut aufarbeitet und eine effiziente Kontrolle durch das Parlament sicherstellt. Er muss damit beginnen, diesen Augiasstall auszumisten."