Die Hochwasserkatastrophe ist noch nicht überstanden, da kalkulieren erste Regionen bereits die Kosten der Schadensbeseitigung. Sachsen rechnet mit einer Milliardensumme. Der Leiter des  Wiederaufbaustabs in der Staatskanzlei, Fritz Jaeckel, geht von 2 bis 2,5 Milliarden Euro aus.

Der Stab will sich um Geld aus dem EU-Solidaritätsfonds für Katastrophenfälle bemühen. Voraussetzung sei eine nationale Schadenssumme von mindestens 3,67 Milliarden Euro, sagte Jäckel. Das komme in Sachsen, Bayern , Thüringen und Brandenburg gemeinsam zusammen.

Der Bund hatte 100 Millionen Euro Finanzhilfe für Geschädigte zugesichert. Städtetags-Präsident Ulrich Maly hält aber weitere Hilfen des Bundes für unumgänglich. Die Summe sei "wichtig zur kurzfristigen Unterstützung", sagte Maly der Saarbrücker Zeitung . Die Hochwasserschäden dürften aber deutlich höher sein. "Deshalb wird sicher, wenn das ganze Ausmaß sichtbar wird, über weitere Hilfen gesprochen", sagte Maly.

Die Bewohner der Flussregionen an Elbe , Donau und Saale stellen sich in weiteren Teilen Deutschlands auf anhaltendes Hochwasser ein. Orten in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bayern droht weitere Überflutung.

Zwar sanken die Pegelstände an einzelnen Messpunkten bereits wieder. Dennoch mussten Tausende Menschen ihre Häuser verlassen.

Die Lage in Sachsen

In Sachsen ist die Lage in den Kommunen an der Elbe kritisch. In Riesa und Torgau stieg der Elbepegel Donnerstag weiter. Dresden kann aber offenbar aufatmen. Der Scheitel des Elbehochwassers erreichte am Morgen die Stadt. Basis der Berechnung sind die Werte vom Pegel Usti in Tschechien. Wie ein Sprecher der Landeshochwasserzentrale sagte, liegt der Pegel relativ konstant bei 8,75 Meter. Daran werde sich kaum noch etwas ändern. Damit liegt der Flutpegel deutlich unter dem Rekordwert beim sogenannten Jahrhunderthochwasser von 2002, als die Elbe auf rund 9,40 Meter angeschwollen war. Seitdem war in Dresden viel in den Hochwasserschutz investiert worden.

Kritisch ist die Lage nach Angaben des Hochwasserzentrum in Meißen , weiter flussabwärts in Riesa und in den Elb-Anliegern der Sächsischen Schweiz, darunter in Pirna . In der Urlaubsregion sind viele Touristenorte überflutet.

Die Lage in Brandenburg

In Brandenburg ist die Lage besonders im 4.000-Einwohner-Ort Mühlberg im Elbe-Elster-Kreis kritisch. Ein Pflegeheim in der Altstadt wurde bereits am Mittwoch evakuiert, die Behörden forderten etwa 2.100 Anwohner auf, freiwillig ihre Wohnungen zu verlassen. Auch der Landkreis Prignitz bereitet sich auf den Ernstfall vor. "Wir wissen auch dort nicht, wie hoch das Wasser stehen wird", sagte ein Sprecher des Krisenstabs in Potsdam. In Nordbrandenburg wird der Höhepunkt der Flutwelle am Wochenende erwartet. Das Wasser werde nicht rasch zurückgehen und daher noch etwa zehn Tage lang auf die Deiche drücken, sagte Wolfgang Brandt, der Sprecher der Koordinierungsstelle Krisenmanagement. 

Die Lage in Niedersachsen und im Norden

Auch in Niedersachsen rechnet man bereits mit steigendem Elbpegel. Tausende Einsatzkräfte und Anlieger entlang des Flusses bereiten sich auf die kritische Phase vor. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg halten Helfer Tag und Nacht Deichwache. Die niedersächsischen Landkreise Lüchow-Dannenberg und Lüneburg riefen Katastrophenalarm aus. Helfer wollen mehr als zwei Millionen Sandsäcke befüllen. Die historische Stadtinsel von Hitzacker in Niedersachsen muss nach Angaben des Landkreises voraussichtlich am Freitag geräumt werden.

Lauenburg in Schleswig-Holstein evakuierte die von der Elbeflut bedrohte Unterstadt. Betroffen sind bis zu 150 Häuser.

Die Lage in Sachsen-Anhalt

Angesichts des allmählich in Richtung Norden fließenden Wasser bereiteten sich auch die Verantwortlichen in Magdeburg auf die Flut vor und verstärkten Deiche. Der Raum Bitterfeld an der Mulde und die Stadt Halle (Saale) sind am stärksten gefährdet. In Bitterfeld drohte der angrenzende Goitzschesee über die Ufer zu treten und die Stadt zu überfluten. Ein Deich wurde gesprengt, um die Dämme zu entlasten, allerdings ohne den erhofften Erfolg. Tausende sind aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen.

In Halle stieg die Saale auf ein Rekordhoch von 8,07 Metern, normal sind zwei Meter. 30.000 Menschen sind aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Teile der Altstadt sind bereits überschwemmt und Häuser geräumt, darunter nach Angaben der Stadt zwölf Altenheime.

Insgesamt mussten sich in Sachsen-Anhalt bislang 2.511 Menschen Übergangsquartiere suchen.

Die Lage in Bayern

Die Gefahr weiterer Deichbrüche sind auch das Hauptproblem im Süden: In Straubing und Deggendorf arbeiten Einsatzkräfte daran, um die Dämme zu stabilisieren. "Es ist alles im Einsatz", sagte ein Sprecher der Stadt Straubing. Dort geht das Hochwasser der Donau bereits langsam zurück. Entwarnung gebe es aber trotzdem noch keine – ebenso wenig wie in Deggendorf, wo erst im Laufe des Tages mit sinkenden Wasserständen gerechnet wird. 

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