Die Organisation Lobbycontrol hat die Bundesregierung kritisiert: Die schwarz-gelbe Koalition begrenze den Einfluss von Lobbyisten nur ungenügend. "Trotz Nachholbedarf bei der Regulierung von Lobbyismus hat die schwarz-gelbe Koalition Probleme ignoriert, Lösungsvorschläge blockiert und keine eigenen Ansätze vorgelegt", schreibt die Initiative in ihrem ersten Lobbyreport.

"Unter Schwarz-Gelb hatten Lobbyisten freie Fahrt", sagte Autorin Christina Deckwirth bei der Vorstellung des Berichts. "Politische Entscheidungen werden zunehmend durch personelle und finanzielle Verflechtungen und von finanzstarken Lobbygruppen geprägt", schreibt Lobbycontrol. Die Aktivisten kritisieren, dass es kein verpflichtendes Register für Lobbyisten gibt.

Auch Seitenwechsel zwischen Politik und Wirtschaft werden von Lobbycontrol kritisiert, wie im Fall von Kanzleramtsstaatsminister Eckart von Klaeden (CDU), der Ende des Jahres Cheflobbyist des Autokonzerns Daimler wird. Lobbycontrol fordert eine dreijährige Wartezeit. Das Parteisponsoring sei weiterhin völlig intransparent, außerdem sei Deutschland bei der Umsetzung der UN-Konvention gegen Korruption nicht vorangekommen.

Lediglich im Bereich der Nebeneinkünfte von Abgeordneten erkennt Lobbycontrol Fortschritte. Der Bundestag hatte infolge der Diskussion über hohe Redehonorare von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück eine detaillierte Offenlegung beschlossen.