Wasiristan, das rauhe Hinterland im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan, galt lange als Hauptausbildungsstätte für deutsche Islamisten. Die Mitglieder der Sauerland-Gruppe, die Sprengstoffanschläge in Nordrhein-Westfalen geplant hatte und 2007 aufflog, waren dort im Bombenbau unterrichtet worden. Vor Gericht schilderten die jungen Angeklagten später den mühsamen und langen Weg ins Grenzgebiet. Noch 2010 meldete sich der deutsche Islamist Emrah E. aus Wasiristan und drohte mit Anschlägen in seiner Heimat, mit der Folge, dass die Reichstagskuppel abgesperrt wurde.

Inzwischen haben deutsche Islamisten ein anderes, deutlich einfacher zu erreichendes Ziel, wie die Sicherheitsbehörden mit Sorge registrieren. 60 Deutsche kämpften inzwischen in Syrien, bestätigte Verfassungsschutzpräsident Georg Maaßen bei der Vorstellung des Jahresberichtes seines Geheimdienstes. 20 weitere säßen auf "gepackten Koffern" und würde gerne so bald wie möglich den islamistischen Brüdern zur Hilfe eilen. "Syrien hat eine hohe Affinität, weil die Kämpfer glauben, in dem Land die Scharia aufbauen zu können", sagte Maaßen. Zudem sei die Einreise für deutsche Staatsbürger recht einfach: Sie fliegen in die Türkei, dafür brauchen sie noch nicht mal einen Reisepass, sondern nur einen Personalausweis. Schlepper bringen die willigen Kämpfer über die Grenze ins Bürgerkriegsgebiet.

Der Inlandsgeheimdienst fürchtet, dass sie sich in den dortigen Kriegswirren weiter radikalisieren. "Wir haben Sorge, was diese Personen tun, wenn sie wieder zurückkommen", sagte Maaßen. Er sprach von einem "möglichen Kampfauftrag für Deutschland". Die meisten der deutschen Kämpfer in Syrien hätten vorher der salafistischen Bewegung angehört. "Man kann sagen: Der Salafismus ist die Durchgangsstation zum Terrorismus", betonte der Verfassungsschutzpräsident, der seit 2012 im Amt ist.

42.000 Islamisten in Deutschland

Nicht nur einmal verwies Maaßen auf die potenzielle Gefahr, die nach Ansicht seiner Behörde von der salafistischen Szene in Deutschland ausgeht. Die Zahl der Anhänger des Salafismus sei von 2011 bis 2012 von 3.800 Personen auf 4.500 Personen angestiegen, heißt es in dem Bericht. Vor allem junge Menschen seien beeinflussbar von dieser radikalen Strömung im Islamismus, auch weil sie professionell im Internet vermarktet werde. Ein Bedrohungspotenzial stelle auch die zunehmende Gewalt zwischen Salafisten und Rechtspopulisten dar. Maaßen verwies diesbezüglich auf Ausschreitungen nach einer Demonstration der islamfeindlichen Partei ProNRW vor einer Moschee in Solingen, bei der Polizisten von Salafisten verletzt worden waren. Zudem sei die Bombe am Bonner Hauptbahnhof nach derzeitigem Ermittlungsstand von Salafisten gelegt worden.

Insgesamt werden deutschlandweit 42.000 Personen der islamistischen Bewegung zugeordnet, 1.000 von ihnen stuft der Verfassungsschutz als gefährlich ein. Etwa 130 besonders gefährliche Islamisten würden zum Teil rund um die Uhr bewacht. 2011 zählte der Verfassungsschutz noch 38.080 Islamisten in Deutschland.