"Weer soll das bezaaaahlen, weeer hat so viel Geld?" Vor den Opernwerkstätten in Berlin-Mitte schunkeln Aktivisten der Grünen gegen das spendierfreudige Wahlprogramm der CDU/CSU. Herzallerliebst trällern sie das berühmte Karnevalslied, einer hat eine Gitarre mitgebracht. Ihr Ziel, ein bisschen zu stören, haben die Grünen schnell erreicht: Die Honoratioren der Union laufen mit irritiertem Blick vorbei.

Mit dem Treffen in hipper Location wollen CDU und CSU nochmals den Beschluss ihres Wahlprogrammes vom Sonntag feiern. "Ein magischer Ort ", so ist die ehemalige Werkstatt für großflächige  Opernkulissen auf der Homepage beworben. Alle Unionsminister und zahlreiche Landeschefs sind am Montag dorthin gekommen. Der CSU-Chef Horst Seehofer will die Kanzlerin loben, und Angela Merkel selbst will nochmals versichern, warum die vielen sozialen Wohltaten, die das Programm verspricht, sehr wohl finanzierbar sind.

Eine Wohlfühl-Veranstaltung für ein Wohlfühl-Programm ist das. Andere Parteien laden Delegierte ein, um ihre Wahlkampf-Vorhaben zu diskutieren und strittige Punkte notfalls per Kampfabstimmung zu klären. Bei der Union wurden 220 Seiten Programm von einem kleinen Kreis ausformuliert und von den Vorständen beider Parteien abgenickt. Einstimmig. Änderungsanträge gab es nicht mehr am gestrigen Sonntag. CSU-Chef Seehofer nennt das "tolle Kameradschaft", die es in Wahlkampfzeiten "besonders streng zu befolgen" gelte.

Wozu dieser Kongress?

Warum aber braucht es dann noch einen "Kongress" mit 600 geladenen Gästen, sogenannten "Mandatsträgern" beider Parteien, noch dazu am Tag danach? Unklar.

Jedenfalls ist es kurz vor 11 Uhr am Montagmorgen, während draußen noch die Grünen singen, zwängt sich ein Tross dunkelbezwirnter und zumeist bereits ergrauter Unionsanhänger durch enge Flure in dem leicht verfallenen Gebäude. Es gilt den als "Dachloft" bezeichneten Eventraum zu finden. Verwirrung macht sich breit, die magische Opernwerkstatt gleicht einem Labyrinth. "Immer dem orangenen Teppich nach", sagen die Hostessen. Die CDU hat vorgesorgt, alles ist in ihrer Farbe gehalten. Es geht über steile Treppen und um verwinkelte Ecken, die ersten fangen an zu schnaufen. Schließlich erreicht man den lichtdurchfluteten Saal. Geschafft.


Es ist der skurrile Auftakt einer skurrilen Veranstaltung. Zuerst werden die beiden Generalsekretäre von CDU und CSU auf die Bühne geholt, zum lockeren Talk mit zwei äußerst anbiedernden Moderatoren. Entsprechend gerät das Frage-Antwort-Spiel zum repetitiven Selbstlob. Am 22. September gehe es um "Stabilität, Solidität und Sicherheit" für Deutschland, sagt zum Beispiel CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. "Freiheitschancen statt Bevormundung", ruft sein Amtskollege von der CDU, Hermann Gröhe, in Richtung des politischen Gegners. "Deutschland ist kein linkes Land, Deutschland ist ein Land der Mitte", sekundiert wiederum Dobrindt.

"Deutschland geht es prächtig", so beginnt wenige Minuten später auch Horst Seehofer seine Rede, "Deutschland ist eine Insel der Stabilität, laut Studien das beliebteste Land auf der ganzen Welt". Applaus!