ZEIT ONLINE: Unsere Abgeordnetenbilanz hat ergeben, dass Sie als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium den Abgeordneten im Bundestag in der vergangenen Legislaturperiode 1.314 Fragen beantwortet haben. Damit waren Sie der Regierungsvertreter, der am meisten gelöchert wurde.

Hartmut Koschyk: Führe ich tatsächlich die Häufigkeitsrangfolge an? Darüber hatte ich mir bisher nie Gedanken gemacht. Ich antworte immer möglichst schnell und umfassend. Möglicherweise ermutigt das zu weiteren Fragen. Und das Bundesfinanzministerium steht natürlich sehr stark im Zentrum der Aufmerksamkeit. Fragen zu Finanzmarkt und Steuern interessieren schließlich viele.

ZEIT ONLINE: Beantworten Sie alle schriftlichen Fragen der Abgeordneten persönlich oder haben Sie dafür einen Mitarbeiter eingestellt? So viele Zahlen kann sich doch niemand merken.

Koschyk: Die Antworten, die ich gebe, verantworte ich auch. Selbstverständlich habe ich dabei die Unterstützung der Fachleute im Ministerium, die ihr Fachwissen und ihre Kenntnisse neben ihren sonstigen dienstlichen Aufgaben beisteuern. Eigens zur Fragenbeantwortung beschäftigte Mitarbeiter gibt es nicht. Was meine Kollegen alles fragen, ist zum Teil allerdings schon sehr speziell. Ohne Unterstützung der Mitarbeiter könnte ich das wirklich nicht beantworten!


ZEIT ONLINE: Was haben die Abgeordneten in der Euro-Krise am häufigsten gefragt, also am wenigsten verstanden?

Koschyk: Nur wenn Sie etwas verstanden haben, können Sie auch eine gute Frage stellen. Wir haben in den letzten Jahren sehr viele internationale Abkommen geschlossen, durch die wir Steuerhinterziehern besser auf die Schliche kommen. Damit hängen viele komplizierte Fragen zusammen. Ich finde es gut, dass viele Kollegen im Bundestag sich so intensiv damit befasst haben. 

ZEIT ONLINE: Gibt es eine Frage, die Sie nicht mehr hören können? 

Koschyk: Nein. Jede Frage ist zunächst einmal berechtigt.

ZEIT ONLINE: Eine Ihrer letzten Antworten in dieser Legislaturperiode stammt vom 14. Juni. Ausgerechnet Ihr Parteikollege Ernst Hinsken hatte Sie gefragt, ob Deutschland nicht Ein-Euro-Geldscheine einführen soll – zur besseren Akzeptanz im Ausland. Denken Sie da nicht manchmal: Ich habe wirklich auch besseres zu tun?

Koschyk: Manchmal hilft es, über scheinbare Selbstverständlichkeiten noch einmal nachzudenken. Im Übrigen geht das Fragestellen durchaus weiter. Gerade sind z.B. Fragen zur Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum Thema internationale Steuersparmodelle gestellt worden. Ich denke nicht, dass dies die letzten Fragen in dieser Legislaturperiode bleiben.