Kennen Sie Pascal Kober? Nein? In der vergangenen Legislaturperiode war der Sozialpolitiker der FDP der fleißigste Redner im Deutschen Bundestag. An den insgesamt 251 Sitzungstagen sprach er 140 Mal – offenbar unbemerkt von einer breiten Öffentlichkeit. Zum Vergleich: Angela Merkel hielt 34 Reden, Peer Steinbrück trat bis zum Ende der Legislaturperiode 13 Mal ans Rednerpult.        

Dass sogenannte Hinterbänkler im Bundestagsplenum oft aktiver sind als die Spitzenpolitiker, ist eines von zahlreichen Ergebnissen der ZEIT-ONLINE-Abgeordnetenbilanz. Unsere Datenjournalisten haben die öffentlich zugängliche Dokumentation des Bundestags durchforstet. Für die vergangene Legislaturperiode  erfassten sie insgesamt 155.965 Aktivitäten von Abgeordneten.   

Diese Tätigkeiten wurden in fünf Kategorien aufgeteilt: Reden, Wortbeiträge, Gruppeninitiativen, Fragen und Antworten (siehe Kasten).

So entstand ein detailliertes Bild der Aktivität aller 620 Abgeordneten. In unserer Infografik können Sie die parlamentarischen Tätigkeitsprofile für jeden Einzelnen abrufen.  

Die wichtigsten Ergebnisse:

Besonders aktiv zeigen sich die Oppositionsfraktionen. Ganz vorn liegen die Grünen. Ihre Abgeordneten kommen im Schnitt auf 627 Einträge in der parlamentarischen Dokumentation. Gefolgt von der Linkspartei, hier sind es durchschnittlich 520 Einträge. Die SPD war mit durchschnittlich 228 verzeichneten Tätigkeiten pro Abgeordneten deutlich zurückhaltender. Abgeordnete von Union und FDP waren lediglich 101 bis 136 Mal aktiv.

Die überdurchschnittliche Tätigkeit der Grünen lässt sich auch dadurch erklären, dass die Fraktion die kleinste von allen ist. Hier müssen die einzelnen Abgeordneten mehr arbeiten, damit die Fraktion insgesamt ähnlich sichtbar ist wie die Konkurrenz.       

958 Fragen an die Bundesregierung

Ein besonders gängiges Kontrollmittel, zu dem die Oppositionsparteien greifen, sind Fragen an die Bundesregierung. Über alle Parteien hinweg wurden 26.639 Fragen eingereicht – entweder als kleine oder große Anfrage zur schriftlichen Beantwortung oder als Frage für die mündliche Fragestunde im Bundestag. Die Wissbegierigste ist die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke. Sie stellte der Regierung allein 958 Fragen. Auf Platz 2 folgt – abgeschlagen – Bärbel Höhn von den Grünen mit 701 Fragen. Insgesamt formulierten die Grünen 9.199 Fragen, die Linke 8.535 Fragen und die SPD 7.601 Fragen.           

Auch in der Kategorie "Wortbeiträge" waren die Grünen besonders aktiv.  Dazu zählen Zwischenfragen an Redner im Plenum und Anträge zur Geschäftsordnung. Die meisten, nämlich 139, dieser spontanen Wortbeiträge brachte Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck in die Diskussion ein. Auf Platz zwei folgt der Grüne Hans-Christian Ströbele mit 111 Wortbeiträgen. 

Die meisten namentlichen Aktivitätseinträge (1.355) von allen Abgeordneten verzeichnet Hartmut Koschyk von der CSU. Koschyk war im Plenum allerdings fast ausschließlich in seiner Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium gefragt: Er gab Antworten auf 1.314 Abgeordneten-Fragen zur Finanzpolitik – kein anderer Regierungsvertreter wurde so gelöchert.