Die Hersteller der Drohne Euro Hawk haben das Verteidigungsministerium aufgefordert, doch noch einen Rettungsversuch für das umstrittene Projekt zu starten. Eine Zulassung sei weitaus weniger teuer als bisher kommuniziert, sagten hochrangige Vertreter der Rüstungskonzerne Northrop Grumman (NGC) aus den USA und EADS vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags. Northrop Grumman stellt den Flieger, EADS die Aufklärungstechnik.

"Ich rate, unbedingt an dem Programm festzuhalten", sagte der Vizepräsident von Northrop Grumman, Janis Pamiljans. Auch der Chef der EADS-Rüstungstochter Cassidian, Bernhard Gerwert , ist gegen ein Ende des Projekts: "Ich hätte einen Abbruch auch 2010 nicht für sinnvoll gehalten, genauso wenig wie ich es jetzt für sinnvoll halte." 

Sowohl Gerwert als auch Pamiljans warfen dem Verteidigungsministerium vor, mit dem Verzicht auf die Bestellung den teuersten Weg für den deutschen Steuerzahler gewählt zu haben. Damit argumentieren die Industrievertreter völlig anders als die Opposition, die de Maizière vorwirft, er hätte das Drohnen-Projekt bereits früher abbrechen sollen.

Die Vertreter der Rüstungskonzerne widersprachen der Schätzung, dass bis zu 600 Millionen Euro zusätzlich für eine Zulassung des unbemannten Aufklärungsfliegers fällig würden. Stattdessen gehe es um 160 bis 193 Millionen Euro und damit weniger als ein Drittel, sagte Pamiljans

Die Technik, die für den Euro Hawk bestimmt war, soll nun in ein anderes Flugzeug integriert werden. Das Verteidigungsministerium prüft derzeit, welches Flugzeug das sein könnte. Pamiljans sagte, dies würde teurer werden als eine Euro-Hawk-Beschaffung und eine erhebliche Verzögerung von bis zu zehn Jahren bedeuten. "Wir glauben, dass der Euro Hawk das System ist, das zu den geringsten Kosten führt." An die Bundesregierung appellierte der Manager: "Ich glaube, dass wir angesichts der Haushaltszwänge gemeinsam dafür verantwortlich sein sollten, kein zusätzliches Geld auszugeben."  

Euro Hawk sollte offenbar nicht nur militärisch genutzt werden

Das Verteidigungsministerium hatte die geplante serienmäßige Beschaffung des Euro Hawks Anfang Mai wegen der geschätzten Mehrkosten für die Zulassung gestoppt. Zu diesem Zeitpunkt waren schon 668 Millionen Euro in das Projekt geflossen.

Indes wurde bekannt, dass die Aufklärungsdrohne offenbar nicht nur die Bundeswehr mit Daten aus dem Aufklärungssystem ISIS versorgen sollte. So heißt es nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters in dem als geheim eingestuften Einsatzkonzept der Bundeswehr für den Euro Hawk vom 19. November 2007, bei "Sondereinsätzen" könne man die Drohne auch für "ressortübergreifende Nachrichtengewinnung und Aufklärung" verwenden. Zudem seien Einsätze im Rahmen von Hilfs- und Rettungsaktionen oder "Einsätze zur Unterstützung des wehrtechnischen Bereichs" denkbar.  

In der öffentlichen Darstellung war vom Verteidigungsministerium stets auf die alleinige militärische Nutzung der Aufklärungsdrohne verwiesen worden. Das Ministerium wollte sich dazu nicht äußern.