ZEIT ONLINE: Diese Legislaturperiode war Ihre erste im Bundestag. Unsere Abgeordneten-Bilanz zeigt, dass Sie 140 Reden gehalten haben – mehr als alle anderen Abgeordneten und Polit-Promis auf sich verzeichnen können. Wie kommt's, dass die Fraktionsführung Sie so oft aufgestellt hat?

Pascal Kober: Ich wollte Sozialpolitiker werden und habe alle Anstrengungen unternommen, dass mich die FDP-Fraktion in den Ausschuss für Arbeit und Soziales entsendet. Die Opposition hat in der Sozialpolitik viele Anträge gestellt, die  entsprechend im Plenum auch behandelt wurden. Das hatte ich zu Beginn nicht auf dem Schirm. Die FDP-Fraktionsführung hatte es außerdem zur Bedingung für diese Erfüllung meines "Erstwunsches" gemacht, dass ich auch noch einen zweiten Ausschuss als ordentliches Mitglied mit übernehme: Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Darüber kamen noch weitere Reden hinzu.

ZEIT ONLINE: Sie hielten fast jeden zweiten Sitzungstag eine Rede. Sind Sie noch aufgeregt, wenn der Präsident sie ans Rednerpult ruft? 

Kober: Manchmal. Und zwar dann, wenn ich während der laufenden Debatte merke, dass ich mein vorbereitetes Konzept vergessen kann, weil andere Redner vor mir schon alle meine Argumente vorgebracht haben. Dann muss ich schnell improvisieren und weiß häufig zu Beginn der Rede noch nicht, wie sie enden soll. 

ZEIT ONLINE: Von Beruf sind Sie Pfarrer. Ein klarer Vorteil beim Reden halten? 

Kober: Als Pfarrer ist es mir nur einmal passiert, dass ein Gottesdienstbesucher meine Predigt durch Zwischenrufe kommentiert hat. Auf die Zwischenrufe während der Rede hatte mich das Predigen jedenfalls nicht vorbereitet.


ZEIT ONLINE: Was macht eine gute Plenarrede aus?   

Kober: Ich finde die besten Reden sind die, die auf das in der Debatte vorher Gesagte wirklich eingehen. Wenn der Redner dann noch alle Register zieht: Lautstärke, Redegeschwindigkeit, Mimik, Gestik und Körperhaltung variiert und der Inhalt der Rede auch noch sachkundig ist und in der Form scharf aber respektvoll, dann sind das für mich die besten Reden. In diesem Sinne bewundernswert ist Anton Schaaf von der SPD

ZEIT ONLINE: Erinnern Sie sich noch an Ihren schlimmsten Versprecher in dieser Legislaturperiode?

Kober: Glücklicherweise ist mir noch kein peinlicher Versprecher passiert. Aber eine Sorge hatte ich immer. Bei der SPD gibt es in der Sozialpolitik drei Kolleginnen mit Doppelnamen: Krüger-Leißner, Hiller-Ohm und Lösekrug-Möller. Ich hatte immer Sorge, dass ich sie bei einer spontanen Ansprache  während meiner Rede verwechseln könnte.