Nach einem Taliban-Angriff auf ein Gefängnis im Nordwesten Pakistans sind nach Angaben der Regierung 243 Häftlinge entflohen. Unter ihnen sind auch etwa 30 islamistische Aufständische, sagte ein Regierungsvertreter.

Mindestens 14 Menschen seien bei dem Angriff getötet worden, darunter sechs Polizisten. Mindestens neun Häftlinge wurden später wieder gefasst.

Nach Polizeiangaben hatten Taliban mit Mörsergranaten und Panzerabwehrraketen das Zentralgefängnis in Dera Ismail Khan in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa angegriffen. Kurz vor Mitternacht fuhren demnach etwa 70 Taliban-Kämpfer auf Motorrädern und in Autos vor dem Gefängnis vor. Sie zündeten mehrere Sprengsätze und brachten die Gefängnismauern zum Einsturz. Anschließend seien als Polizisten verkleidete Taliban in das Gefängnis eingedrungen und hätten damit begonnen, Häftlinge zu befreien — darunter mindestens 25, die als gefährliche Terroristen eingestuft seien.

Der Überfall dauerte etwa viereinhalb Stunden, unter den Todesopfern sind sechs Polizisten, sechs schiitische Häftlinge, zwei Zivilisten sowie eine nicht näher genannte Zahl Taliban. In der Stadt wurde eine Ausgangssperre verhängt.

In dem Gefängnis unweit der Grenze zu Afghanistan sitzen bis zu 5.000 Menschen ein, darunter 300 Aufständische.

Pakistans Parlamente wählen neuen Präsidenten

Der Überfall ereignete sich am Vorabend zur Wahl eines neuen Präsidenten. Am heutigen Dienstag stimmen Pakistans Parlamentarier über ein neues Staatsoberhaupt ab. Die Muslim-Liga von Premierminister Nawaz Sharif hat den Geschäftsmann Mamnoon Hussain aus Karachi aufgestellt, seine Wahl gilt als sicher. Bei den Parlamentswahlen im Mai hatte die PML-N absolute Mehrheiten in der Nationalversammlung und in der wichtigsten Provinz Punjab erlangt.

Die Oppositionspartei, die Volkspartei PPP des amtierenden Präsidenten Asif Ali Zardari , hat einen Wahlboykott angekündigt und ihren Kandidaten zurückgezogen. Als Grund gab die PPP an, dass die Abstimmung eine Woche vorgezogen wurde und daher nicht ausreichend Zeit zur Vorbereitung blieb.  

Die Amtszeit von Präsident Asif Ali Zardari, dem Witwer der Ende 2007 ermordeten Expremierministerin Benazir Bhutto, endet am 8. September. Er tritt nicht zur Wiederwahl an, da er angesichts der Mehrheitsverhältnisse in den Parlamenten keine Chance auf einen Sieg gehabt hätte. Der neue Präsident wird von den Parlamenten in den vier Provinzen und in Islamabad bestimmt.