Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck wird seine politischen Ämter niederlegen. Er werde seinen Posten als Regierungschef am 28. August aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, sagte der SPD-Politiker bei einer Pressekonferenz. Zugleich gibt Platzeck den SPD-Landesvorsitz auf.

SPD-Landesvorstand und Landtagsfraktion hätten seinem Vorschlag zugestimmt, Innenminister Dietmar Woidke ( SPD ) zum neuen Ministerpräsidenten zu wählen, sagte er.

Platzeck hat in insgesamt fünf Landesregierungen mitgearbeitet, zunächst als Umweltminister. Er bilanzierte, er sei dankbar für "die fast zweieinhalb Jahrzehnte Politik", die er immer "mit Lust und Leidenschaft gemacht" habe und sprach von einer "wunderschönen Erfahrung". Es sei während seiner Arbeit gelungen, Brandenburg vom strukturarmen Land zum modernsten Energieland zu machen. Er erinnerte an die Zuwachsraten der Wirtschaft und den Umstand, dass Brandenburg schon vor Jahren ohne neue Schulden auskam.  

Platzeck blickte aber auch auf die schwierigen Phasen seiner Arbeit (Fotostrecke hier ) . Er habe es "nie vermocht, dass mir eine dicke Haut wuchs", sagte er und erinnerte damit auch an die Zeit als SPD-Bundeschef, die ihn an seine Grenzen führte. Vieles sei ihm auch unter die Haut gegangen. Platzeck machte deutlich, dass das Arbeitspensum einer der Punkte ist, die ihn auf das Amt verzichten lassen. Das Amt als Ministerpräsident sei eben nicht nur mit 40 bis 50 Wochenstunden zu bewältigen. Sein Arzt habe ihm von einem 80-Stunden-Job abgeraten.

Der Wechsel an der Regierungsspitze ist aus verfassungsrechtlichen Gründen am 28. August vorgesehen, wenn planmäßig eine Landtagssitzung angesetzt ist. Am Montagmorgen war Platzeck – Regierungschef der einzigen rot-roten Koalition in Deutschland – nach einem dreiwöchigen Urlaub an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Am späten Nachmittag hatte er mit dem SPD-Landesvorstand und der Fraktion über die Lage beraten.

Nachfolger wird Innenminister Dietmar Woidke . Er brach seinen Kreuzfahrturlaub ab, um nach Potsdam zu kommen. Platzeck scherzte, er habe Woidke gesagt, er solle schon mal "das Urlaub-abbrechen üben" – das gehöre zur Arbeit eines Regierungschefs dazu. 

Mit dem Wechsel sind weitere Neubesetzungen notwendig: Der bisherige Fraktionschef Ralf Holzschuher soll Woidke als Innenminister folgen. Ihn wiederum ersetzt Klaus Ness, derzeit Generalsekretär der Landes-SPD.       

Platzeck bleibt Landtagsabgeordneter

Platzeck bleibt Landtagsabgeordneter. Sein Mandat nehme er "sehr ernst", sagte er. Wie seine Zukunft im Aufsichtsrat der Berliner Großflughafen-Gesellschaft aussieht, blieb teilweise unklar. Platzeck sagte, er bereite die nächste Sitzung des Gremiums mit vor, ließ aber offen, wie es weitergeht. Woidke werde nicht dem Aufsichtsrat beitreten.

Für die brandenburgischen Sozialdemokraten bedeutet Platzecks Rücktritt den Verlust ihres populären Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Herbst 2014.

Wegen gesundheitlicher Probleme hatte Platzeck immer wieder Rückschläge in seiner Arbeit hinnehmen müssen. Zwei Hörstürze und ein Zusammenbruch zwangen ihn im Jahr 2006 nach 146 Tagen als SPD-Bundesvorsitzender zum Rückzug . Zuletzt hatte er vor sechs Wochen einen Schlaganfall erlitten.

Der 59-Jährige (Kurzporträt hier ) regierte Brandenburg seit 2002 und ist nach Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit dienstältester deutscher Regierungschef.