Was tun Wahlkämpfer, wenn die Partei auf das vielleicht schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte zusteuert? Die SPD in Bayern tröstet sich mit Ausrufezeichen. "Jetzt ist alles drin!", "Jetzt geht es richtig los!", "Bayern kann das!" sowie: "Genau! Ude." Dies sind nur ausgewählte Beispiele für die Motivationsparolen auf SPD-Werbepostkärtchen und Wahlkampf-Leinwänden.

Spitzenkandidat Christian Ude, bisher von Beruf Oberbürgermeister der Stadt München, lässt außerdem die Kommunalpolitik ruhen. Er hat sich "unbezahlten Urlaub" genommen, um im Bayern-Wahlkampfendspurt noch mal richtig reinzuhauen, wie seine Strategen gut und gerne und überall betonen. Allzu viel zu regeln dürfte die Stadt München in den Sommerferien sowieso nicht haben. Egal, Ude nennt sich jetzt auch selbst einen Vollzeitwahlkämpfer. Er hat es dringend nötig.

Nur 18 Prozent der Stimmen erreicht seine SPD jüngsten Umfragen zufolge – weniger noch als die 18,6 Prozent bei der verheerenden Landtagswahl 2008.  Außerdem liegen die Grünen heute nur noch vier Prozentpunkte hinter Udes Partei. So schlimm stand es noch nie um die bayerische Sozialdemokratie. Dabei ist sie Kummer gewohnt, weil sie schon seit den achtziger Jahren bei Landtagswahlen nicht mehr die 30-Prozent-Marke erreicht.

Bloß kein Desaster vor der Bundestagswahl

Am 15. September geht es in Bayern für die SPD aber nicht nur um die schier allmächtige CSU. Eine Woche später findet die Bundestagswahl statt, die bisher bekanntlich für die Sozialdemokraten auch nicht unter guten Vorzeichen steht. Da können die Genossen bundesweit kein desaströses Bayern-Ergebnis gebrauchen.

"Bayern wird eine enorme Rolle spielen", gesteht auch Peer Steinbrück freimütig. Es ist Samstagvormittag, der Kanzlerkandidat ist nach München gereist, um am Landesparteitag der Bayern-SPD teilzunehmen. Ort für den Auftakt zum Wahlkampf-Endspurt: ein von der Sonne bereits völlig überhitztes Theaterzelt. Jetzt steht Steinbrück etwas verloren davor auf dem roten Teppich, denn "Vollzeit-Spitzenkandidat" Ude hat sich verspätet.

Also lobt der Kanzlerkandidat in die Kameras dessen "Verlässlichkeit" und "Solidität" und verweist auf andere SPD-Oberbürgermeister, die gute Ministerpräsidenten geworden seien. Von der SPD, versteht sich. Irgendwann fährt endlich Udes Auto vor. "Darf ich dich herzlich in deiner Stadt begrüßen?", schnoddert Steinbrück ihm fröhlich entgegen. Christian Ude lacht und haut dem Kanzlerkandidaten auf die Schulter.