Kurz vor dem Beginn des 2. Untersuchungsausschusses fielen harte Worte. Die Opposition kritisierte das Verteidigungsministerium: Zahlreiche angeforderte Unterlagen zum Desaster um die gescheiterte Anschaffung der Drohne Euro Hawk trafen mehrere Tage zu spät ein – und einige fehlen bis heute. Von einem Versuch der Verschleierung, sprach Omid Nouripour sicherheitspolitischer Sprecher der Grünen. "Man darf gespannt sein, wie de Maizière als Zeuge mit seinem angeblichen Nichtwissen umgeht", sagte sein Kollege von der SPD, Rainer Arnold.

Kurz vor dem Beginn der eigentlichen Arbeit trafen im Untersuchungsausschuss so viele Dokumente gleichzeitig ein, dass die Fachpolitiker und ihre Mitarbeiter diese vor dem Beginn der Zeugenbefragung am Montagmorgen unmöglich alle sichten können. Mehr als 750 Akten sind bereits im Sekretariat des Verteidigungsausschusses eingegangen. Die Mitarbeiter dort kämen kaum damit hinterher, die Tausende Seiten an Papier den Fraktionen weiterzuleiten, heißt es im politischen Berlin. Man werde mit Unterlagen nun geradezu überflutet. Rund 2.000 Akten sollen noch folgen. Auf die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter, die bis Ende August den Untersuchungsausschuss abschließen sollen, kommt noch viel Arbeit zu.

Vertreter der Opposition klagen, dass wichtige Unterlagen fehlen. So warteten die Mitglieder des Untersuchungsausschusses auf Dokumente aus der Rechtsabteilung des Verteidigungsministeriums, auf Akten aus dem ehemaligen Führungsstab der Luftwaffe und aus dem Planungsstab von Minister de Maizière, heißt es aus Kreisen des Untersuchungsausschusses. Manche der noch offenen Dokumente sollen als geheim gestempelt sein. Sie dürfen nur in der Geheimschutzstelle des Bundestages eingesehen werden, was die Arbeit der Aufklärer noch aufwändiger macht.

SPD, Grüne und Linkspartei hatten vor der Sommerpause die Umwandlung des Verteidigungsausschusses in einen Untersuchungsausschuss erzwungen. Dessen Mitglieder sollen nun herausfinden, wie die Anschaffung des unbemannten Aufklärungsfliegers Euro Hawk scheitern konnte. In Wahlkampfzeiten ist besonders interessant, wer die Verantwortung für die Verschwendung von mehreren Hundert Millionen Euro Steuergeld trägt.

Aus den Papierbergen hat die Opposition bereits einige interessante und belastende Dokumente herausgefischt. So lässt ein Vermerk eines Rüstungsdirektors aus dem Verteidigungsministerium aus dem Januar 2013 daran zweifeln, dass Verteidigungsminister Thomas de Maizière erst kurz vor dem Scheitern des Euro-Hawk-Projekts im Mai von ernsten Problemen bei der Zulassung des ferngesteuerten Riesenfliegers erfahren hat. Der Spitzenbeamte notierte: "Der Minister erwartet bekanntermaßen zum 31. März 2013 (Eingang bei ihm) eine Entscheidungsvorlage mit klarer Aussage zur Zulassungsfähigkeit." Die Süddeutsche Zeitung berichtete am Freitag von weiteren Aktennotizen, die de Maizières Glaubwürdigkeit erschüttern sollen. Der Minister hatte erklärt, dass er erst Anfang März von Problemen beim Euro Hawk erfahren habe, die aber als "lösbar" dargestellt worden seien. Diese Aussage scheint nun nicht mehr haltbar zu sein.

Die Anschaffung der Drohne wurde im Mai gestoppt, weil sie keine Zulassung für den deutschen Luftraum bekommt. Bevor die "Reißleine" gezogen wurde, wie de Maizière den Vorgang beschrieb, wurden bereits Millionen für Hangar und Landebahnen, und große Summen für einen Prototypen der Drohne eines amerikanischen Herstellers ausgegeben. Wie hoch der Verlust ist, konnte das Verteidigungsministerium bisher nicht exakt beziffern. Die Hoffnung, dass die in der Drohne getestete Aufklärungstechnik Isis in anderen Objekten weiter verwendet werden kann, scheint sich nun auch nicht zu erfüllen. Das meldet der Spiegel nach einem Bericht des Wehrbeschaffungsamts vom November 2012.