Das Simon Wiesenthal Center (SWC) beginnt am Dienstag in Deutschland eine Plakatkampagne, mit deren Hilfe die letzten lebenden Nazi-Kriegsverbrecher aufgespürt werden sollen. Unter dem Motto "Spät. Aber nicht zu spät! Operation Last Chance II" sollen in Berlin, Hamburg und Köln 2.000 Plakate aufgehängt werden.

Ziel der Initiative sei es, bisher nicht verurteilte NS-Kriegsverbrecher mit Hilfe der Bevölkerung aufzuspüren und vor Gericht zu bringen, sagte der Initiator der Kampagne und Leiter des SWC-Büros in Jerusalem, Efraim Zuroff.

Gesucht werde nach Hinweisen, die zur Strafverfolgung von NS-Tätern führen könnten. Für sachdienliche Informationen ist eine Belohnung von bis zu 25.000 Euro ausgesetzt. Die Initiative Operation Last Chance II ist in Deutschland, Österreich, Polen, Rumänien, Ungarn, Kroatien, Litauen, Estland und Lettland aktiv.

Demjanjuk-Prozess hat Rechtslage verändert

Auslöser der neuen Initiative sei die Verurteilung von Iwan Demjanjuk 2011 in München gewesen, sagte Zuroff. Damit sei ein historischer Präzedenzfall geschaffen worden, der die Rechtslage erheblich verändert habe.

Seither werde wieder gegen NS-Täter ermittelt, die in Vernichtungslagern eingesetzt waren, an der Operation Reinhard (zur Tötung von über zwei Millionen Juden und Roma im besetzten Teil Polens und der Ukraine) teilgenommen oder einer Einsatzgruppe angehört hätten. "Es besteht die Chance, NS-Täter vor Gericht zu stellen, die bisher straffrei geblieben sind", sagte Zuroff.

Das hohe Alter der Täter dürfe kein Grund sein, die Strafverfolgung einzustellen: "Das macht ihre Schuld nicht geringer." Jede Anklage sei eine wichtige Erinnerung daran, dass Gerechtigkeit für die Opfer des Holocaust immer noch erreicht werden könne.