Der Sohn von Altkanzler Helmut Kohl , Peter Kohl, hat die negativen Äußerungen seines Vaters über türkische Gastarbeiter kritisiert. "Ich war schon damals anderer Meinung", sagte der parteilose Unternehmer, der mit einer Türkin verheiratet ist, der Süddeutschen Zeitung . Viele Türken, so Peter Kohl, fühlten sich durch die Kommentare zu Recht ausgegrenzt. "Auch die CDU muss die heutigen Realitäten anerkennen, dass die Türkei einer der wichtigsten Zukunftspartner für Deutschland ist."

Vor einigen Tagen war bekannt geworden , dass Helmut Kohl in einem vertraulichen Gespräch mit Margaret Thatcher 1982 gesagt hatte, er wolle die Zahl der Türken in Deutschland "um 50 Prozent reduzieren". Deutschland hätte kein Problem mit den Portugiesen oder Italienern, aber die Türken kämen "aus einer sehr andersartigen Kultur". Deshalb seien sie schwer zu assimilieren. 

Peter Kohl kritisiert nun nicht nur die 30 Jahre alten Äußerungen – sondern auch die heutige Reaktion. "Seine Worte von damals kann man nicht unkommentiert stehen lassen, man sollte sie einordnen", sagte Peter Kohl. "Ansonsten wirkt es kaltschnäuzig." Helmut Kohls Büro hatte lediglich mitgeteilt, die damaligen Sätze seien Teil einer breit geführten Debatte zur Ausländerpolitik gewesen, und der Altkanzler werde sich nicht mehr dazu äußern. 

Zugleich warb Peter Kohl um Verständnis für den historischen Kontext der Äußerungen seines Vaters. Weiten Teilen der Bevölkerung sei es damals schwergefallen, die Aufbauleistungen der Türken für Deutschland anzuerkennen. Später habe sein Vater – auch durch seine Schwiegertochter – ein differenzierteres Bild von der Türkei bekommen.

Helmut Kohl hat zwei Söhne. Peter Kohl, der jüngere von beiden, veröffentlichte im vergangenen Jahr ein Buch über das Leben seiner Mutter Hannelore . Sein älterer Bruder, Walter Kohl, rechnete vor zwei Jahren in Leben oder gelebt werden mit seinem Vater ab .