Die Zahl der Bewerber für den freiwilligen Wehrdienst ist stark zurückgegangen. Dies berichtet die Zeitung Die Welt und präsentiert folgende Zahlen: So haben im Januar dieses Jahres 1.607 Freiwillige ihren Dienst angetreten – und damit deutlich weniger als noch im Januar 2012, als sich 2.720 junge Männer und Frauen für einen freiwilligen Dienst an der Waffe entschieden haben.

Wie es in dem Bericht weiter heißt, war insbesondere der Unterschied zwischen dem April dieses Jahres und dem April 2012 eklatant: Während es da noch 1.460 Wehrdienstleistende gewesen waren, sind es ein Jahr später nur noch 615. Im Juli 2013 sei der Rückgang aber nur minimal gewesen. 1.884 Freiwillige traten den Dienst an, im Juli zuvor seien es 1.892 gewesen.

Die Wehrpflicht war zum 1. Juli 2011 ausgesetzt worden. An die Stelle des für Männer verpflichtenden Dienstes trat ein freiwilliger Wehrdienst für Männer und Frauen sowie ein freiwilliger Ersatz für den bisherigen Zivildienst.

Freiwillige können Berufssoldaten nicht entlasten

Der frühere Planungschef des Verteidigungsministeriums, Hans Rühle, erklärte das Freiwilligen-Konzept in einem Beitrag für die Welt für gescheitert. 25 bis 30 Prozent der Freiwilligen würden den Dienst innerhalb der ersten drei Monate wieder quittieren , schrieb Rühle.

Zudem hätten sich mehr als die Hälfte der freiwillig Wehrdienstleistenden für weniger als 15 Monate verpflichtet. Für eine Teilnahme an Auslandseinsätzen würden sie daher nach Ausbildung und Qualifikation ausscheiden. So könnten sie nicht als Entlastung für die Berufs- und Zeitsoldaten eingesetzt werden. Statt der gewünschten mindestens 5.000 erfüllten derzeit nur etwa 2.000 bis 3.000 Freiwillige die Voraussetzungen "für eine sinnvolle Verwendung", schrieb Rühle.

Verteidigungsministerium ist zufrieden

Das Verteidigungsministerium zeigte sich hingegen zufrieden mit dem Interesse junger Männer und Frauen am freiwilligen Wehrdienst. "Aus unserer Sicht wird der Bedarf an freiwilligen Wehrdienstleistenden gedeckt", sagte ein Ministeriumssprecher. Derzeit dienten rund 10.000 Männer und Frauen freiwillig in der Truppe.

Mit 5.000 freiwilligen Wehrdienstleistenden sei die Bundeswehr einsatzfähig, sagte der Sprecher. Die Abbrecherquote liege im laufenden Jahr bislang bei "deutlich unter 30 Prozent". 2012 hätten 24,7 Prozent der Freiwilligen ihren Dienst vorzeitig abgebrochen.

Freiwillige vermissen Zukunftsperspektive

Aus einer Untersuchung der Bundeswehr war hervorgegangen, dass vor allem fehlende Zukunftsperspektiven für die hohen Abbrecherquoten verantwortlich sind. 58 Prozent der befragten Abgänger verwiesen auf zivile Jobangebote. 54 Prozent waren unzufrieden mit den übertragenen Aufgaben.

Häufig genannt wurden auch private Probleme, abweichende Vorstellungen über das Soldatenleben, die Entfernung nach Hause oder das Dienstklima.