Die Deutsche Bahn will am heutigen Mittwoch Lösungen für die Zugausfälle am Hauptbahnhof Mainz infolge von Personalproblemen finden. Bahnchef Rüdiger Grube trifft sich am Nachmittag in Frankfurt am Main mit dem Vorsitzenden der Eisenbahngewerkschaft EVG, Alexander Kirchner , und dessen Stellvertretern. Zuvor beraten Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber und die Personalchefs der verschiedenen Unternehmenssparten mit Gewerkschaftern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) forderte die Bahn auf, eine ausreichende Personalstärke sicherzustellen. "Es geht jetzt erst mal darum, dass ausgebildetes Personal da ist und dass man daran arbeitet, diese Personaldecke so auszustatten, dass auch in Krankheits- und Urlaubsfällen nicht jedes Mal Tausende von Menschen leiden müssen", sagte Merkel dem TV-Sender Phoenix und dem Deutschlandfunk . Die Beeinträchtigungen in Mainz seien ein "sehr ernstes Problem", sagte die Kanzlerin. "Die Bahn ist für viele Menschen lebenswichtig für die Ausübung ihres Berufs."

Seit mehr als einer Woche fallen in Mainz Züge aus. Nach einem Gespräch mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer ( SPD ) kündigte die Bahn am Dienstag an, die über Mainz führenden Zugverbindungen vom kommenden Wochenende an schrittweise wieder zu verbessern. Vom 30. August an will sie zum normalen Fahrplan zurückkehren. Das Personal im Mainzer Stellwerk soll im September mit vier Fahrdienstleiter-Helfern verstärkt werden, von November bis Dezember sollen fünf weitere neue Dienstleiter eingesetzt werden.

Die Personalmisere im Mainzer Stellwerk mit ihren schweren Folgen für den Zugverkehr hat viele überrascht. Kritiker sagen, dass die Bahn beim Personal zu stark gespart habe. Das bundeseigene Unternehmen hat seit seiner Reform 1994 bis zum Jahr 2010 im Inland rund 150.000 Stellen abgebaut. Seit 2011 wird Personal wieder aufgebaut. Rund 10.000 Neueinstellungen sind für dieses Jahr geplant.

Bahn wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Netzsparte, zu der die Fahrdienstleiter gehören, wurde von 54.000 Mitarbeitern im Jahr 2001 auf rund 35.000 im vergangenen Jahr verkleinert. Der Personalengpass am Mainzer Hauptbahnhof sei dennoch nicht absehbar gewesen, sagt die Bahn.  

Innerhalb einer Woche hätten sich drei Fahrdienstleiter krankgemeldet, sagte DB-Netz-Vorstand Frank Sennhenn. Seit Anfang August waren von den 15 Fahrdienstleistern in Mainz sieben krank oder im Urlaub. Bahnchef Grube hatte gefordert, dass Mitarbeiter freiwillig aus dem Urlaub zurückkommen können.

Damit könnten wieder mehr Züge pro Stunde den Mainzer Hauptbahnhof passieren. In dem Stellwerk fallen nach Angaben der Bahn 50 Schichten pro Woche an. Die acht verbliebenen Fahrdienstleiter konnten insgesamt 40 Schichten abdecken, also nur 80 Prozent. Zugausfälle wird es bis Ende August weitergeben, wenn auch weniger als bisher.

Eisenbahn-Bundesamt erwartet dauerhaftes Problem in Mainz

Das Eisenbahn-Bundesamt erwartet, dass "mit Ausfällen weit über den 30. August hinaus gerechnet werden muss". Damit verstoße das Unternehmen gegen ihre gesetzliche Betriebspflicht, heißt es in einem Brief des Bundesamts an die Bahn, aus dem das Handelsblatt zitiert. Die Bahn werde verpflichtet, "unverzüglich den sicheren, für die Durchführung des planmäßigen Verkehrs erforderlichen, uneingeschränkten Betrieb des Stellwerks Mainz wieder aufzunehmen".

Die Bahn will nach eigenen Angaben dieses Jahr 600 neue Fahrdienstleiter einstellen und eine mobile Reserve aufbauen. In Mainz sollen bis Ende des Jahres neun zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden. Kurzfristig sei der Personalmangel nicht zu beheben, sagte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Die Ausbildung eines Fahrdienstleiters dauere mindestens zweieinhalb Jahre.

Probleme gibt es nicht nur in Mainz. Der Betrieb in mindestens sieben weiteren Stellwerken soll wegen Personalnot in Gefahr sein.