Der Linken-Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi hat keinen Zweifel daran, welche Partei den nächsten Bundeskanzler stellt. Der SPD sei schon bei der Nominierung ihres Kandidaten Peer Steinbrück klar gewesen, dass sie die Wahl gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht gewinnen könne. "Meines Erachtens war die Entscheidung für Steinbrück eine Entscheidung, auf das Amt zu verzichten", sagte Gysi in der Sendung ZEIT-Gespräch zur Wahl, die heute Abend um 23.10 Uhr auf N24 zu sehen sein wird.

Auch über seinen persönlichen Blick auf die Politik gab Gysi Auskunft: Er gestand ein, als Linken-Politiker auch bürgerliche Werte zu haben. "Da steckt schon was drin", sagte Gysi. "Man ist ja nicht deshalb links, weil man arm ist." Andersherum gebe es auch Arme, die seien leider ganz rechts. Folglich müsse, wer besser verdiene, nicht automatisch rechts sein.  

"Zum Beispiel möchte ich nicht gern von Armut umgeben sein", sagte Gysi weiter. Schon deshalb werde er immer gegen Armut kämpfen. "Aber ich tue ja nicht so, als ob ich arm war oder bin. Das stimmt beides nicht."  

Der Linken-Fraktionschef zeigte in der Sendung auch Respekt für die Leistung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und den Umgang mit seiner Behinderung: "Was mir an Wolfgang Schäuble tatsächlich imponiert, ist, wie er damit umgeht", sagte Gysi. "Ich weiß nicht, ob ich so souverän reagieren könnte wie er."

DIE ZEIT begleitet die diesjährige Bundestagswahl mit der Sendung auf dem Nachrichtensender N24. Moderator Marc Brost befragt in einem jeweils halbstündigen Gespräch einen Spitzenpolitiker.