Der Spitzenkandidat der Linken, Gregor Gysi , sieht gute Chancen, dass seine Partei in den nächsten Jahren Regierungsverantwortung im Bund übernehmen wird. "Ich sehe keinen Grund, der verhindert, dass die Linke eines Tages Deutschland mitregiert ", sagte er Bild am Sonntag . Die SPD werde lernen, dass sie sich auf die Linke zubewegen müsse. Ansonsten werde sie keine Chance haben, jetzt oder in vier Jahren die Bundesregierung zu führen.

Es gebe große inhaltliche Schnittmengen bei Mindestlöhnen, gleicher Bezahlung von Männern und Frauen und der Abschaffung des Betreuungsgeldes, sagte der Fraktionschef der Linken im Bundestag. "Ihr Wahlprogramm kann die SPD mit uns am besten umsetzen."

Gysi bekundete Interesse am Amt des Außenministers: "Ich würde der amerikanischen Regierung nicht erlauben, dass Privatfirmen in Deutschland spionieren dürfen." Er wolle Waffenexporte komplett aufgeben und Deutschland zu einem wichtigen Vermittler im Nahost-Konflikt machen. Wichtig sei ihm auch, "dass alle Kinder in Europa ab der ersten Klasse Englisch lernen, damit die Europäer sich künftig in einer Sprache miteinander verständigen können".

Im Deutschlandfunk kritisierte Gysi den bisherigen Wahlkampf: "Es muss jetzt mal ein bisschen Leidenschaft einziehen, das ist mir alles zu lahm, ehrlich gesagt. Und da keiner im Ernst mehr glaubt, dass Herr Steinbrück Kanzler wird, wird es noch ein bisschen lahmer." Die Chancen auf ein rot-grün-rotes Bündnis schätze er gering ein: "Es scheitert nicht an uns, sondern es scheitert doch an der SPD." Sie sei viel zu diszipliniert im Verhältnis zur CDU und viel zu artig, um sich so etwas zu trauen. "Es klingt im Augenblick nicht sehr wahrscheinlich, aber man soll nie was ausschließen."

Steinmeier nennt Linke "tief gespalten"

Nach Meinung von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier entfernt sich die Linke immer weiter von einer Regierungsbeteiligung auf Bundesebene. "Mein fester Eindruck ist, dass die Linkspartei in den letzten vier Jahren keine Entwicklung genommen hat, die sie regierungsfähiger macht", sagte Steinmeier der Nachrichtenagentur dpa. Die Linkspartei sei tief gespalten und kein Partner, mit dem man ein Land mit 82 Millionen Einwohnern mitten in der europäischen Krise regieren könne.

Er glaube auch nicht, dass Parteichef Sigmar Gabriel seine Haltung ändern könnte, wenn es eine Mehrheit für SPD, Linke und Grüne geben sollte. Solche Spekulationen seien Unsinn: "Er hat das ausgeschlossen. Und ich habe nicht den geringsten Anlass, an seiner Aussage zu zweifeln."

In den jüngsten Umfragen liegen Schwarz-Gelb und Rot-Grün-Rot fast gleichauf . Steinmeier hatte ein Bündnis mit der Linken auch als Kanzlerkandidat bei der Wahl 2009 ausgeschlossen. Der linke Flügel der SPD wünscht sich allerdings mehr Offenheit für diese Option.

Auch die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt wandte sich im Tagesspiegel gegen ein Bündnis mit der Linken: "Auch wenn sich einige Vertreter der Linken uns immer wieder anbiedern, die Linke hat einfach kein regierungsfähiges Programm." Sie nannte als Beispiel die Sozial- und Außenpolitik.

"Gabriel und Kraft machen auch Rot-Rot-Grün"

Politiker der schwarz-gelben Koalition sagten hingegen voraus, dass SPD, Grüne und Linke bei einer eigenen Mehrheit ein Bündnis eingehen oder eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Duldung der Linkspartei formen würden. "Wenn es nach Sigmar Gabriel und Hannelore Kraft geht – und das werden die tonangebenden Kräfte in der SPD sein – dann machen sie auch Rot-Rot-Grün", sagte CSU-Chef Horst Seehofer dem Focus .

FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle warnte in der Welt am Sonntag vor einem Linksbündnis und schloss eine Ampelkoalition aus: "Rot und Grün überbieten sich gegenseitig mit Steuererhöhungen. Die Grünen lechzen geradezu danach, aus Deutschland eine Verbotsrepublik zu machen."