Nicht einmal ihren Abschied durfte sie selbst verkünden. Vor wenigen Monaten erzählte ein "Mitglied der hessischen Parteiführung" der Bild-Zeitung, Kristina Schröder werde nach der Bundestagswahl nicht mehr Ministerin sein. "Ihre Familiensituation steht dem entgegen", streute der Unbekannte aus Schröders Landesverband.

Das war ein klares Signal. Oder ein Schlag unter die Gürtellinie, wenn man es klarer ausdrücken will. Die Wiesbadenerin Schröder hatte in der Legislaturperiode eine Tochter bekommen, den hessischen CDU-Genossen war sie lange schon nicht konservativ genug. So wird man fies abgesägt.

 

Gut möglich, dass die Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend selbst über ihren Abschied aus der Regierung nachgedacht hat. Offiziell aber hat sie nie etwas über möglichen Frust oder auch zu ihren Zukunftsplänen gesagt. Sie hat geschwiegen – wie so oft, wenn sie kritisiert oder belächelt wurde. Nein, sie hat weiter gemacht wie bisher.  

Die Loyalität zur Kanzlerin half ihr nicht

Kitas besuchen, mit Jugendlichen über Traumberufe sprechen, solche Dinge. Entspannt ist Schröder bei öffentlichen Auftritten sowieso fast nie, ihre Sätze wirken oft einstudiert, folgen einer seltsamen Tonalität. Man wüsste gern, wie diese Frau so ist, wenn sie sich sicher fühlt, mal locker lassen kann. Aber für Schröder gab es in den vergangenen Jahren offenbar keine lockeren Situationen.


In der Öffentlichkeit bleibt das Bild einer Frau, die in große Fußstapfen trat und sie nie ausfüllen konnte. Über kein Kabinettsmitglied der schwarz-gelben Bundesregierung wurde so hämisch und so böse geredet, wie über Kristina Schröder. Eine Online-Initiative der Grünen mit dem Titel "Nicht meine Ministerin" fand Tausende Unterstützer. Weil Schröder sich selbst eine Anti-Feministin nennt. Weil sie eine stramme CDU-Politikerin ist. Weil sie loyal zur Kanzlerin steht und dabei doch irgendwie immer fehl am Platz wirkt.

32 Jahre alt war Schröder, als sie im Herbst 2009 überraschend als jüngstes Kabinettsmitglied berufen wurde. Im Bundestag hatte sie sich als hartnäckige Abgeordnete schon einen Namen gemacht. Schröders Problem war, dass sie das Ministerium der umtriebigen Ursula von der Leyen übernahm. Und dass Leyen es sich in den vergangenen Jahren zur Aufgabe gemacht hat, Schröder auf ihren eigenen Themengebieten die Show zu stehlen. Ein Beispiel: Als die Arbeitsministerin gemeinsam mit der CDU-Vizevorsitzenden Julia Klöckner unlängst in Berlin Journalistinnen zum Kaffee einlud, um über Frauenthemen zu sprechen – war Frauenministerin Schröder nicht dabei.