SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kritisiert. Er könne die Unzufriedenheit der Sparer verstehen, die kaum noch Zinsen bekämen, sagte Steinbrück der Nachrichtenagentur Reuters. "Sie kriegen sehr wenig Geld für ihre Anlagen, haben eine höhere Inflationsrate und deshalb werden sie schleichend eigentlich enteignet." Die Kaufkraft nehme ab.

Das sei ein "ziemlich unsäglicher Zustand", sagte Steinbrück. Er sehe die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi, den niedrigen Leitzinssatz die nächsten Jahre fortführen zu wollen, sehr skeptisch. Nicht zuletzt berge die lockere Geldpolitik das Risiko, dass es etwa für Unternehmen falsche Anreize für kreditfinanzierte Investitionen gebe, sagte Steinbrück.

Draghi hatte die Märkte Anfang Juli mit einem Bekenntnis zu langfristig niedrigen Zinsen überrascht. Mit dem Forward Guidance genannten Zinsausblick brach er mit der Praxis der EZB, sich nicht vorab geldpolitisch festzulegen. Derzeit liegt der Leitzins auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent.

Zuletzt hatte Steinbrück die Finanzpolitik der EZB noch gelobt. In einem Interview mit dem Wall Street Journal sagte er, Draghis Zinspolitik sei eine Erleichterung für viele Länder der Euro-Zone.