Die SPD wertet das Ergebnis der Landtagswahl in Bayern nicht als richtungsweisend für die Bundestagswahl in einer Woche. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte: "Wir wissen, dass die SPD bei einer Bundestagswahl immer noch mal deutlich besser abschneidet als bei einer Landtagswahl in Bayern." Umgekehrt sei bekannt, dass die CSU bei Bundestagswahlen deutlich schlechter abschneide als bei Landtagswahlen. Die SPD gehe daher selbstbewusst in die letzten Tage des Wahlkampfs. Mit der Bayern-Wahl gelte, "dass dies die 13. Landtagswahl hintereinander ist, wo die schwarz-gelbe Liebesheirat aufgekündigt worden ist". Und es gebe gute Aussichten darauf, dass dies in einer Woche genauso auch auf Bundesebene der Fall sei, so Steinbrück.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sieht ihre Partei zumindest nicht als Verliererin: "Wir haben als Einzige der Oppositionsparteien dazu gewonnen", sagte dem ZDF nach Bekanntgabe der Ergebnisse. Rückschlüsse auf die Bundestagswahl kommendes Wochenende will sie nicht ziehen. Es sei eine landespolitische Entscheidung gewesen. "Bundestagswahl ist erst nächste Woche."

Für SPD-Chef Sigmar Gabriel ist vor allem die FDP Wahlverliererin in Bayern. Mit Blick auf die Wähler sagte er: "Sie haben die Parolen, die Wahllügen der FDP durchschaut und sie aus dem bayerischen Landtag geworfen. Der Einzug der FDP in den Bundestag ist seit heute Abend nicht sicher."

Der SPD-Landeschef und Bundestagesabgeordnete Florian Pronold sprach von Rückenwind, den er vor allem in den letzten Tagen gespürt habe und den es gelte, mit in die letzten Tage des Wahlkampfs zu nehmen. Zum ersten Mal seit 1994 habe die SPD in Bayern dazu gewonnen. Das sei ein Signal in Richtung Bundestagswahl. Pronold erinnerte daran, dass die SPD auch bei der für sie erfolgreichen Bundestagswahl 1998 nach einer vorhergehenden Landtagswahl in Bayern noch deutlich zulegte.

Die Grünen sind enttäuscht

Die CDU wertet das Ergebnis in Bayern als wichtigen Rückenwind für die Bundestagswahl. "Das bringt für uns den notwendigen Schwung, die letzte Woche noch mal alles zu geben", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer, im ZDF. Das Scheitern der FDP an der Fünfprozenthürde sei Motivation für die Liberalen im Bund, ihre Stammwähler zu mobilisieren.

Grünen-Chefin Claudia Roth zeigte sich dagegen enttäuscht: "Natürlich haben wir uns mehr erhofft und erwartet", sagte sie im ZDF mit Blick auf das Ergebnis ihrer Partei. Es habe in dem Bundesland trotz der Skandale etwa um die Verwandtenaffäre nur sehr wenig Wechselstimmung gegeben. Vor der Bundestagswahl sollten die Grünen nun die Energiewende stärker als bisher thematisieren. Sie appellierte an die Anhänger: "Jetzt volle Kanne in Richtung Hessen, in Richtung Bundestagswahl!"

"Die Konsequenz ist, sich nicht einschüchtern zu lassen", sagte Spitzenkandidat Jürgen Trittin . Es sei klar gewesen, dass es schwer werden würde, das Rekordergebnis von 2008 (9,4 Prozent) zu übertreffen. "Wir hatten schon die Hoffnung, dass wir noch etwas zulegen könnten", sagte er weiter. "Ich halte trotzdem noch meine Wette, dass es nicht für Schwarz-Gelb reicht."

Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler hat seine Partei nach dem schwachen Ergebnis in Bayern dazu aufgerufen, "jetzt erst recht" für einen Erfolg bei der Bundestagswahl zu kämpfen. "Ab jetzt geht es um Deutschland", rief er seinen Parteifreunden in Berlin zu. "In Bayern ticken die Uhren anders", sagte er. "Dieses Ergebnis ist ein Weckruf für alle Liberalen."

Auch FDP-Generalsekretär Patrick Döring sieht im schlechten Abschneiden seiner Partei bei der bayerischen Landtagswahl einen Ansporn für die Bundestagswahl am nächsten Sonntag. In den nächsten Tagen sollten in erster Linie die liberalen Wähler im Bund mobilisiert werden.