Horst Seehofer hat es allen gezeigt. Fünf Jahre nach ihrem historischen Einbruch hat er die CSU eine Woche vor der Bundestagswahl zur absoluten Mehrheit in Bayern zurückgeführt. Alle, die an dem CSU-Chef und Ministerpräsidenten wegen seiner Sprunghaftigkeit und seines Hangs zu Querschüssen gezweifelt hatten, müssen nun anerkennen, dass seine Strategie ziemlich exakt aufgegangen ist. Künftig kann er den Freistaat wieder ganz ohne lästigen Koalitionspartner regieren. 

Er steht nun in einer Reihe mit dem Partei-Ahnherrn Franz Josef Strauß und dem langjährigen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Und er kann mit Stolz darauf verweisen, dass die CSU unter seiner Führung die letzte verbliebene Volkspartei in Deutschland ist. Die Abgesänge derer, die nach dem Verlust der absoluten Mehrheit 2008 schon das Ende der weiß-blauen Herrlichkeit besiegelt sahen, waren verfrüht.

Ganz offensichtlich ist die Verbundenheit der Bayern mit dieser alten und neuen bayerischen Staatspartei so stark und der Glaube an eine Alternative so schwach, dass sie ihr sogar ihre verschiedenen Kurswechsel von den Studiengebühren bis zum Donauausbau und selbst die Verwandtenaffäre nachsahen, die an schlechte alte Zeiten erinnerte. Vergessen die Phase, als die CSU nach Stoibers Ablösung unter dessen glücklosen Nachfolgern Günther Beckstein und Erwin Huber auf dem Weg zu einem normalen Landesverband der CDU zu sein schien. Sie ist, dank Seehofer, wieder da und obenauf, und sie verteidigt ihre Sonderstellung unter den Parteien.

Der CSU-Chef wird das in den nächsten Jahren weidlich auskosten. Er muss nun erst recht auf niemanden mehr Rücksicht nehmen.

Merkel muss Mitleidskampagne der FDP fürchten

Für die Wahlkämpfer aller anderen Parteien bietet der Ausgang dieser Wahl hingegen keinen Anlass, entspannt auf die Bundestagswahl am kommenden Sonntag zu schauen. Auch für Angela Merkel nicht. Ihr muss das miese Ergebnis der bayerischen Liberalen Sorgen machen. Die FDP wird nun, wie Parteichef Philipp Rösler gleich nach den ersten Hochrechnungen ankündigte, auf einen Mitleidseffekt und erst recht auf Zweitstimmen aus dem Unionslager setzen. Nur wenn die FDP wieder in den Bundestag kommt, so ihre Parole, kann Merkel auf eine Fortsetzung von Schwarz-Gelb hoffen. Andernfalls drohe eine rot-rot-grüne Regierung statt einer Großen Koalition.

Diese Kampagne der FDP könnte jedoch die CDU im Bund so weit schwächen, dass es nicht nur wie schon bei der Landtagswahl in Niedersachsen nicht zu einer schwarz-gelben Mehrheit reicht. Sie würde auch das Gewicht der Union in einer möglichen Großen Koalition verringern. Das kann der Kanzlerin nicht gefallen.

Steinbrücks Chancen sind nicht größer geworden

Aber selbst wenn Union und FDP am kommenden Sonntag eine knappe Mehrheit erringen, wird es für Merkel eher schwieriger werden. Seehofer wird nach diesem Triumph und mit seiner absoluten Mehrheit im Rücken ein noch größerer Quälgeist werden als bisher schon. Er würde in Koalitionsverhandlungen auf seiner Forderung nach einer Pkw-Maut bestehen, die ihm bei der Landtagswahl womöglich entscheidende Stimmen gebracht hat, und auch sonst stärkere Mitsprache verlangen. Die FDP dürfte in einer neuen schwarz-gelben Koalition ebenfalls unbequemer werden. Da sie mehr denn je um ihr Überleben bangen muss, wird sie endlich Erfolge vorzeigen wollen.

Wenig ableiten aus der Bayerwahl kann auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück – trotz der Zugewinne für seine Partei im Freistaat. Erstens war es immer noch eines der schlechtesten Ergebnisse, die die leidgeprüften bayerischen Sozialdemokraten jemals hinnehmen mussten; sie sind weiterhin weniger als halb so stark wie die CSU. Und zweitens gingen ihre leichten Gewinne zumindest teilweise zulasten der Grünen. 

Wenn aber der Wunschkoalitionspartner auch am kommenden Sonntag schwächelt, hilft Steinbrück sein fulminanter Schlussspurt im Wahlkampf nichts. Er würde die SPD dann allenfalls mit erhobenem Haupt in Koalitionsverhandlungen mit der Union führen können. Seine Chancen, vielleicht doch noch Kanzler zu werden, sind nach diesem Sonntag jedenfalls nicht größer geworden.     

Wem nützt also Seehofers Sieg an diesem Abend? Die Antwort lautet: Seehofer.