Jetzt ist er also wirklich ganz oben: Horst Seehofer hat seiner CSU die absolute Mehrheit zurückgeholt. Kurz nach der ersten Hochrechnung zieht der alte und neue bayerische Ministerpräsident in den Fraktionssaal ein. Unter dem Jubel seiner Anhänger hebt er beide Hände zum Victory-Zeichen. Aber er lässt die Arme alsbald wieder fallen. 

Heute, wenigstens heute, will er demütig sein. "Bitte bleibt auf dem Teppich", sagt Seehofer in seiner Ansprache an die Abgeordneten und deren Mitarbeiter: "Unser entscheidender Koalitionspartner ist die bayerische Bevölkerung." Das klingt ein bisschen bescheidener als noch vor wenigen Tagen im Wahlkampf, als der CSU-Chef noch recht hemmungslos sich selbst feiern ließ.

Natürlich ist dieser Abend für den 64-Jährigen ein ganz persönlicher Triumph. Er, den sie 2008 erst im zweiten Anlauf und nach dem Verlust der absoluten Mehrheit CSU-Chef werden ließen, führt seine Partei nach dem Debakel von vor fünf Jahren nun zurück zu gewohnter Stärke. Zwar sind die Zeiten, in denen die Christsozialen mehr als 60 Prozent holten, wie noch 2003 unter Edmund Stoiber, definitiv vorbei. Auch die selbst einmal als Eigen-Ziel vorgegeben 50 Prozent-Marke verpasst Seehofer an diesem Abend knapp.

Egal: Zu großartige Wahlergebnisse seien der Partei damals sowieso nicht gut bekommen, urteilen CSU-Spitzenkräfte auf der Wahlparty im Münchner Landtag. Nein, zurück zu den selbstgefällig-bräsigen Zeiten, wolle man ganz bestimmt nicht. Mit diesem "in der deutschen und europäischen Politiklandschaft einmaligen Ergebnis", müsse seine Partei "demütig und überlegt umgehen", mahnt der langjährige CSU-Stratege Alois Glück. Die Partei habe aus ihrem selbstgerechten Höhenflügen und der bitteren Wahlniederlage 2008 gelernt. Sie sei modern und jetzt dem Volke zugewandt, das ist also die Botschaft, die die Parteistrategen an diesem Abend im Münchner Landtag verbreiten wollen.   

Die SPD jubelt

Derweil schreitet SPD-Spitzenkandidat Christian Ude im dunklen Zwirn und mit feuerroter Krawatte laut und stakkatohaft dozierend durch die dunklen Flure des Maximilianeums, wie der Landtag auch heißt. Vor ihm, neben ihm, hinter ihn: Kameraleute, TV-Moderatoren und SPD-Berater im Stechschritt. Man hört Ude schon von Weitem: "Wir haben die Trendwende geschafft", ruft er, der mit rund 20 Prozent ein Achtungsergebnis eingefahren hat – immerhin zwei Prozentpunkte mehr als noch beim ebenfalls für die SPD historischen Debakel 2008.

Ude kündigt also an: Als noch stärkere Oppositionsfraktion wolle man fortan den Alleinregierern auf die Finger schauen: ob Bayern wirklich schuldenfrei, ob die Energiewende ordentlich umgesetzt werde. Bei der SPD-Fraktion haben sie da schon die "Genau-Ude"-Fahnen unter den Stehtischen abgelegt und trinken Bier. Landeschef Florian Pronold sinniert über die abermalige Niederlage seiner Partei: Was soll man schon tun, wenn 80 Prozent der Bayern zufrieden mit der wirtschaftlichen Situation im Land sind und die CSU für ihren Wahlkampf neunmal so viel Geld zur Verfügung hat wie die SPD, fragt er.

Die Liberalen hätten Horst Seehofer gerne weiter im Landtag kontrolliert – oder es zumindest versucht –, doch sie werden im neuen Parlament nicht mehr vertreten sein. Spitzenkandidat Martin Zeil spricht tapfer in die diversen Fernsehkameras, seine Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger steht mit versteinerten Gesichtszügen da. Die FDP dürfe nun nicht "verzagen", sagt sie ratlos. Gern würde sie Justizministerin im Bund bleiben, ob das nach diesem desaströsen Ergebnis noch drin ist, bleibt abzuwarten. Die Liberalen müssen nach wir vor um den Einzug in den Bundestag zittern.