Peer Steinbrück hat in der Berliner Runde seiner Partei von einer Großen Koalition abgeraten. "Das ist allein die Entscheidung der Union und ihrer Gremien", sagte er. "Aber wenn sie gefragt würde, würde ich meiner Partei raten, dafür nicht zur Verfügung zu stehen."   

Auch eine rot-rot-grüne Koalition, für die es nach neuesten Hochrechnungen eine knappe Mehrheit geben könnte, schloss Steinbrück aus. "Das haben wir ausgeschlossen und das schließen wir auch für die Zukunft aus", sagte er. Außenpolitisch, europapolitisch und bündnispolitisch könne er eine Zusammenarbeit mit der Linken nicht verantworten.

Jürgen Trittin bekräftigte dies von Seiten der Grünen. Ein Ausstieg aus allen Nato-Einsätzen, wie ihn die Linke anstrebe, sei unverantwortlich. Linken-Chef Bernd Riexinger nannte die Ablehnung seiner Partei durch die anderen Parteien "realitätsfern" und sagte: "Wenn wir ernst genommen würden, könnten Programme von SPD und Grünen stärker umgesetzt werden."

Zu Koalitionsmöglichkeiten wollte sich sonst keiner deutlich äußern. Die FDP, die es nach allen Hochrechnungen nicht in den Bundestag schafft, war gar nicht erst eingeladen – zum ersten Mal in der Geschichte der seit 1969 stattfindenden Elefantenrunde fehlte der Tisch links außen. Man habe nur Parteien eingeladen, die voraussichtlich die Fünf-Prozent-Hürde nehmen, sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey. 

Angela Merkel wollte noch nicht über mögliche Koalitionen sprechen. Die derzeitigen Hochrechnungen seien noch kein Endergebnis. Ihren Wahlerfolg führte sie auch darauf zurück, dass es den Menschen im Land unter ihrer Regierung gut gehe. "Vielleicht sollte man das auch mal sagen und nicht immer so tun, als ob wir im schlimmsten Land der Welt leben", sagte sie.  

Merkel fühlt sich nicht schuldig am FDP-Debakel 

Sie bedauere es, wenn die FDP nicht in den Bundestag kommen sollte, sagte Merkel. Das Wahldebakel des Koalitionspartners sei aber nicht ihre Schuld. Ihre Entscheidung, keine Leihstimmen-Kampagne für die FDP zu machen, sei übliche politische Praxis, sagte sie. "Das ist ganz selbstverständlich, dass Parteien erst mal für sich selbst wählen."

Einigkeit demonstrierte Merkel hingegen mit der CSU. Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, freute sich über den "gemeinsamen" Erfolg mit der CDU. Zur Pkw-Maut für Ausländer, dem Streitthema zwischen CDU und CSU, gab sie sich weniger forsch als Parteichef Seehofer im Wahlkampf. "Es ist überhaupt kein Geheimnis, dass die PKW-Maut für Ausländer uns ein großes Anliegen ist", sagte sie. "Wir müssen sehen, wie wir in einer Koalition zu guten Ergebnissen kommen." Angela Merkel sagte dazu: "Regierungsbildungen sollten daran nicht scheitern."

Peer Steinbrück will trotz seiner Wahlniederlage weiter eine Rolle in seiner Partei spielen – welche ließ er jedoch offen. "Ich bleibe an Deck der SPD und fühle Verantwortung", sagte er. "Die Rolle von Peer Steinbrück in der SPD ist nicht beendet."