Die meisten Beobachter hatten damit gerechnet, dass Angela Merkel nach der Wahl weiter regieren würde – mit der FDP, der SPD oder den Grünen. Aber diesen Triumph hat ihr wohl niemand zugetraut, sie sich selbst wahrscheinlich auch nicht: Die von ihr geführte Union verpasste offenbar nur knapp die absolute Mehrheit. Und das in einem Vierparteien-Parlament und nach vier wenig glanzvollen schwarz-gelben Regierungsjahren. 

Merkel steht jetzt ähnlich gut da wie Helmut Kohl in seinen besten Zeiten: Die Union erzielte zum ersten Mal seit 1998 wieder deutlich mehr als 40 Prozent, sie hat im Vergleich zu 2009 fast zehn Prozentpunkte hinzugewonnen und ist mit weitem Abstand die stärkste Partei. Merkel kann sich aussuchen, mit wem sie regieren will. 

Es ist Merkels alleiniger strahlender Wahlsieg: die klare Bestätigung für acht Jahre Kanzlerschaft und ein Ausweis dafür, dass die Bürger ihr persönlich vertrauen und möchten, dass sie das Land weiter führt.

Bei genauerem Hinsehen fallen jedoch einige Schatten auf Merkels Wahlsieg. Zwar hat die Union eine Menge Wähler von der FDP zurückerobert. Aber sie hat dadurch ihren "geborenen" liberalen Koalitionspartner geschrumpft, womöglich auf Dauer. Deshalb bleibt ihr jetzt nur entweder eine absolute Mehrheit oder eine Koalition mit der SPD oder den Grünen.

Eine Große Koalition ist aber nicht nur für die SPD, sondern auch für CDU und CSU auf Dauer gefährlich. Sie würde die Union wohl noch stärker sozialdemokratisieren und sie inhaltlich unkenntlicher machen. Die CDU würde sich auf das reduzieren, was sie unter Kohl schon einmal war: ein Kanzlerinnenwahlverein, mit einem fast beliebigen Programm.

Schwarz-Grün wäre für die CDU dagegen ein Wagnis. Aber es böte ihr längerfristig neue Perspektiven. Merkel könnte mit einem solchen Bündnis ihre Partei für neue Wählergruppen öffnen: jüngere Frauen, Umweltbewusste und urbane Schichten, die durchaus wertkonservativen Werten anhängen. Es wäre eine lagerübergreifende Koalition, ähnlich wie die sozialliberale in den 1970er Jahren. Unterschiedliche bürgerliche Schichten würden zusammenkommen, Etablierte, Konservativ-Liberale und Linksbürgerlich-Ökosoziale. Beide Seiten könnten davon profitieren.  

Die SPD bleibt im Jammertal. Zwar hat sie sich gegenüber ihrem Debakel von 2009 erholt, aber nicht so stark, dass sie wirklich von einem Erfolg sprechen kann. Ihr Ziel, eine rot-grüne Mehrheit zu erreichen, hat sie krachend verfehlt. Die SPD bleibt eine 20-noch-was-Prozent-Partei, der Abstand zur Union ist noch größer als 2009. In eine neue Große Koalition ginge sie als Juniorpartner, und das auch nur, wenn Merkel nicht Schwarz-Grün vorzöge.