Die 18. Bundestagswahl ist im Ausland auf reges Interesse gestoßen. Insbesondere in den europäischen Nachbarländern wurden die ersten Prognosen und Hochrechnungen im Minutentakt verfolgt und analysiert.

Die Beobachter fragten sich vor allem, welche Auswirkungen die Wahl auf die künftige Europapolitik Deutschlands haben wird. Gerade das Abschneiden der Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland (AfD) wurde daher mit Spannung erwartet. So registrierte die spanische Zeitung El Mundo erleichtert, dass die AfD das Parlament gemäß den Hochrechnungen verpassen wird. "Das ist, ohne Zweifel, ein gutes Zeichen für Europa", schrieb sie. Angesichts des respektablen Ergebnisses der neuen Partei müsse aber auch in Zukunft mit den Euro-Skeptikern gerechnet werden. Der Guardian sprach nach dem Jubel der AfD-Mitglieder von "Euro-phorikern".

Auch in Griechenland herrschte Erleichterung über das Scheitern der AfD. Die Athener Zeitung Kathimerini widmete sich den deutschen Spitzenpolitikern: Über den "Zaren der deutschen Finanzen", Wolfgang Schäuble, hieß es, er sei zufrieden, dass trotz seiner ehrlichen Ankündigung eines möglichen dritten Hilfspakets für Griechenland die CDU als Gewinner dastehe. 

Beeindruckt zeigten sich die Kommentatoren von der Popularität Angela Merkels. Le Figaro aus Frankreich konstatierte in einem Porträt der Kanzlerin "Kunst der Macht ohne Risiko und ohne Teilung". Der österreichische Kurier schrieb, Merkel führe die CDU "in einsame Höhen".

Die Zeitung El País schrieb, Merkel sei "die einzige Überlebende der Krise" und verwies darauf, dass andere Staatschefs wie Nicolas Sarkozy (Frankreich), Silvio Berlusconi, Mario Monti (beide Italien) und José Luis Rodríguez Zapatero (Spanien) in den letzten Jahren abgewählt wurden. Wegen der noch ungewissen Mehrheiten befürchtete die Zeitung jedoch eine politische Hängepartie wie Anfang des Jahres nach der Wahl in Italien.

Der in Deutschland lebende baskische Schriftsteller Fernando Aramburu beschrieb die Wahl bei Twitter wie ein Fußballspiel. "Merkelazo genau ins Eck", sagte er in Anlehnung an das spanische Wort für ein besonders tolles Tor.

Merkel bleibt auch im englischsprachigen Ausland das Sinnbild für die deutsche Politik – und das brachte ihr zur Wiederwahl einige Spitznamen ein. Die Daily Mail bezeichnete die Kanzlerin als "Deutschlands Thatcher". Wie nun Merkel war auch die ehemalige britische Premierministerin für drei Amtszeiten gewählt worden. Für den US-amerikanischen Sender CNN ist Merkel hingegen "Europas Mrs. Nein".

Als einer der ersten Staatschefs gratulierte Frankreichs Präsident François Hollande Merkel zur Wiederwahl. Er wolle weiter unermüdlich an einer Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich arbeiten, um die neuen Herausforderungen in Europa zu meistern, teilte er mit. EU-Ratspräsident Herman van Rompuy gratulierte ebenfalls. "Ich bin sicher, dass Deutschland und ihre neue Regierung weiterhin engagiert zum Aufbau eines friedlichen und wirtschaftlich erfolgreichen Europas beitragen werden, das allen Bürgern dient", sagte van Rompuy.