Die Wahl zum 18. Deutschen Bundestag hat begonnen. Knapp 62 Millionen Deutsche sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahllokale öffneten um 8.00 Uhr, bis 18.00 Uhr haben die Wähler Zeit zur Abgabe ihrer Erst- und Zweitstimme . Bei der letzten Bundestagswahl vor vier Jahren hatte die Wahlbeteiligung mit 70,8 Prozent ein Rekordtief erreicht.

Mit 61,8 Millionen ist die Zahl der Wahlberechtigten dieses Jahr etwas geringer als 2009. Die Wähler können sich zwischen insgesamt 34 Parteien und knapp 4.500 Kandidaten entscheiden. Wegen einer Wahlrechtsänderung werden nun mögliche Überhangmandate einer Partei durch sogenannte Ausgleichsmandate für die übrigen Parteien ausgeglichen. Ihre frühere Bedeutung haben die Überhangmandate damit verloren. Sie entstehen, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Wahlkreise direkt gewinnt, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen.

Umfragen zufolge kann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf weitere vier Jahre an der Spitze der Bundesregierung hoffen – mit welchem Partner ist offen. Die Meinungsforscher ermittelten praktisch ein Patt zwischen dem schwarz-gelben Regierungslager und der aktuellen Opposition. Wenn es für Schwarz-Gelb nicht reichen sollte, könnte es wie 2005 auf Schwarz-Rot zulaufen.

Für Überraschung sorgen könnte die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) , die den Austritt Deutschlands aus der Währungsunion will. Wahlforscher halten ihren erstmaligen Einzug in den Bundestag für nicht ausgeschlossen. Die zuletzt bei Landtagswahlen erfolgreichen Piraten dürften laut Umfragen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Am Samstag kämpften die Spitzenpolitiker noch einmal um Wählerstimmen . Nach knapp 60 Wahlkampfauftritten in ganz Deutschland beendete Kanzlerin Merkel die Werbetour für die CDU in ihrem Wahlkreis in Stralsund. "Ja, es wird knapp", sagte sie mit Blick auf die Umfragen. In Frankfurt am Main warb SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück um Stimmen für einen Politikwechsel. 

Landtagswahl in Hessen völlig offen

In Hessen hat zeitgleich mit der Bundestagswahl auch die Landtagswahl begonnen. Rund 4,4 Millionen Bürger sind aufgerufen, die Zusammensetzung des Landesparlaments neu zu bestimmen. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) setzt auf eine Fortsetzung der amtierenden Landesregierung aus CDU und FDP . Sein SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel will mit den Grünen ein Regierungsbündnis bilden. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün erwartet.

Denkbar ist auch, dass weder CDU und FDP noch SPD und Grüne zusammen auf eine eigene Mehrheit kommen. Entscheidend dafür dürfte sein, ob die Linkspartei wieder in den Landtag einzieht. Dies ist den Umfragen zufolge völlig offen. Auch die FDP lag zuletzt nur knapp über der Fünf-Prozent-Marke. Wenig Chancen auf einen Einzug ins Landesparlament werden der Euro-kritischen Alternative für Deutschland (AfD) eingeräumt. Stärkste Kraft dürfte erneut die CDU werden.

Monatelange Hängepartie droht

Bei unklaren Mehrheitsverhältnissen droht bei der Koalitionssuche eine monatelange Hängepartie. SPD-Chef Schäfer-Gümbel schließt formal keine Koalition aus, sieht aber keine Basis für ein Bündnis mit Union oder Linkspartei. Ministerpräsident Bouffier schloss wenige Tage vor der Wahl eine Koalition mit der AfD definitiv aus.

Bei der Landtagswahl im Januar 2009 war die CDU auf 37,2 Prozent und die FDP auf 16,2 Prozent gekommen. Die SPD stürzte damals auf einen historischen Tiefstand von 23,7 Prozent ab. Die Grünen erreichten 13,7 Prozent. Die Linkspartei zog mit 5,4 Prozent knapp in den Landtag ein.