Alle saßen sie da. Angela Merkel für die CDU, Peer Steinbrück für die SPD, Jürgen Trittin für die Grünen, Bernd Riexinger für die Linke und Gerda Hasselfeldt für die CSU. Fünf Spitzenpolitiker nahmen an der traditionellen Berliner Runde von ARD und ZDF teil, mehr nicht.

Philipp Rösler, der Vorsitzende der FDP, musste draußen bleiben, während die anderen über das Wahlergebnis und die Politik der kommenden vier Jahre diskutierten. Der Vizekanzler als Zuschauer. Schuld war das desolate Ergebnis seiner Liberalen: Den aktuellen Hochrechnungen zufolge erreichte die FDP lediglich 4,5 Prozent der Stimmen, ein Drittel dessen, was sie 2009 schaffte. Gleichzeitig flog sie bei der Landtagswahl in Hessen nicht nur aus der Regierung, sondern wahrscheinlich auch aus dem Landtag.

Für Rösler könnte dieses Debakel das Ende seiner politischen Karriere bedeuten. Schon vor Jahren hatte er angekündigt, sich mit 45 Jahren aus dem aktiven Geschäft zurückzuziehen. Nun ist es wohl schon fünf Jahre eher so weit. Gemeinsam mit Spitzenkandidat Rainer Brüderle, der selbsternannten "Sturmspitze", übernahm er die Verantwortung für das schlechte Abschneiden. Es ist das erste Mal, dass die FDP nicht im Bundestag vertreten sein wird. "Das ist für mich bitter. Es war meine Leidenschaft", sagte Rösler.

Bereits Anfang des Jahres war Röslers Parteivorsitz, den er 2011 von Guido Westerwelle übernommen hatte, gefährdet. Scheiterten die Liberalen bei der Landtagswahl in Niedersachsen, so hieß es im Januar, würde ein neues Gesicht für den Bundestagswahlkampf gesucht. Doch dann holte die FDP, auch dank einer Zweitstimmenkampagne der CDU, 9,9 Prozent der Stimmen. Rösler durfte bleiben.

Rösler und Brüderle deuten Rücktritt an

Die persönlichen Konsequenzen dürfte Rösler nun kaum mehr vermeiden können. "Natürlich werde ich persönlich auch politisch dafür die notwendige Verantwortung übernehmen", sagte Rösler nach Bekanntgabe der Hochrechnungen. Brüderle sagte: "Das ist nicht das Ende der Partei. Es wird schwieriger, aber die Arbeit wird weitergehen." Als Fraktionschef ist auch er seinen Parteiposten los.

Verlierer gibt es jedoch auch unter denen, die an der Berliner Runde teilnehmen durften. Die Grünen erzielten 2,4 Prozentpunkte weniger als 2009. Und das, obwohl sie zwischenzeitlich nach dem Atomreaktorunfall im japanischen Fukushima laut Umfragen sogar vor der SPD lag. Anstatt eine rot-grüne Koalition herbeizuführen, ist diese Konstellation nicht zuletzt durch die eigenen Stimmenverluste ausgeschlossen. Auf der Wahlparty in Berlin sprachen die Spitzenkandidaten der Grünen daher schon davon, wie sie die Fehler korrigieren können.