Das Konterfei der Bundeskanzlerin ziert die Titelblätter der deutschen Presselandschaft, freudestrahlend blickt Angela Merkel den Lesern von Bild, Süddeutscher oder Frankfurter Allgemeinen Zeitung, von Tagesspiegel, Hamburger Morgenpost, der Münchner Abendzeitung oder den Stuttgarter Nachrichten entgegen. Einzig die taz widmet ihre erste Seite den Wahlverlierern von der FDP, zeigt ein Bild von Brüderle und Rösler, übertitelt mit Die neue Apo.

Auch die Kommentatoren räumen dem "Sieg der Templiner Pfarrerstochter" (Bild) in ihren Analysen und Einordnungen viel Platz ein. SPD, Grüne und Linke müssen sich in den Spalten der Zeitungen mit den Plätzen hinter Angela Merkel zufriedengeben.

Frankfurter Allgemeine Zeitung:
"CDU und CSU haben in diesem Wahlkampf nicht auf ein Programm gesetzt, sondern auf eine Person: die Kanzlerin. Das Kalkül ist aufgegangen. (…) Die Kanzlerin gewann seither so viel an Ansehen, dass sie als klare Siegerin aus dieser Wahl hervorgeht. Das Ergebnis ist eine Bestätigung ihrer Politik wie auch ihres Politikstils."

Süddeutsche Zeitung:
"Triumphator ist ein Wort, das es eigentlich nur in der männlichen Form gibt; Angela Merkel macht das Wort weiblich. Sie erringt einen Wahlsieg, der nicht nur Sieg ist, sondern Triumph. Es ist ihr Triumph, weniger der Triumph der Union. Sie als Person, sie als Kanzlerin hat ihn errungen, mit Beliebtheitswerten, die in der Geschichte der Bundesrepublik einmalig sind. (…) 2013: Es ist der Höhepunkt der Macht Merkels. Mit dieser Wahl wird aus der Regierungszeit Merkel, ganz gleich wie sie nun weitergeht, eine Ära – die des Merkelismus, einer Machtpolitik, der man das Machtvolle nicht anmerkt. (…) Was nach ihr kommt, steht in den Sternen. (…) Das ist die Schattenseite ihres Triumphs. Das wird irgendwann die Chance der SPD."

Frankfurter Rundschau:
"Was Angela Merkel am Wahlabend erlebte, das war wohl das angenehmste Zittern ihres politischen Lebens: Die Frage war nur noch, ob die Union demnächst allein regiert oder ob sie sich den nächsten Koalitionspartner aussuchen darf."

tageszeitung (taz):
"Dass die Deutschen die scharfe Kontroverse scheuen und die Mitte mögen, ist keine große Neuigkeit. Aber dass die WählerInnen Angela Merkel fast zur Königin küren, ist auch für die hiesige politische Konsenskultur erstaunlich. (…) Merkels Sieg überstrahlt, dass das liberal-konservative Lager ausfranst. Die FDP, die eine neoliberale Generalrenovierung angekündigt hatte und in der Regierung noch nicht mal den Zaun neu anstrich, ist an sich selbst gescheitert."

Berliner Zeitung:
"Eines muss Angela Merkel Sorgen machen. Der Wahlerfolg der Union gilt ihr. Ganz allein. Nicht ihrer Partei. Sie ist inzwischen für die Union unersetzlich. Die Union ist Merkel und Merkel ist die Union."

Tagesspiegel:
"Und wenn alles unklar wäre, eines ist klar: Angela Merkel hat gewonnen. Sie persönlich. (…) Was brauchen wir Parteien, wenn wir Merkel haben. Das zumindest hat verfangen: Mutti ist die Beste."

Bild:
"Angela Merkel hat gesiegt. Es ist IHR Triumph. (…) Unter dem Strich wollte eine Mehrheit der Deutschen Stabilität, am liebsten die Gr0ße Koalition. Aber wenn es so käme, hätten wir eine schwarz-rote Regierung fast ohne Opposition. Ob das dem Land nutzt? Das wird selbst die Siegerin des Abends bezweifeln: Angela Merkel."

Münchner Merkur:
"Deutschland und Europa verneigen sich vor Angela Merkel: Die Kanzlerin hat die Opposition in einer Weise pulverisiert, wie nicht einmal die unverwüstlichsten Unions-Optimisten es sich erträumt hätten. Wie eine Gigantin ragt die affären- und allürenfreie Regierungschefin aus der Schar der politischen Laiendarsteller in Deutschland: Ein SPD-Möchtegern-Kanzler, der der Republik den Stinkefinger zeigt, ein Spitzengrüner, der seinen steuerzahlenden Wählern das Fell über die Ohren zu ziehen droht, eine FDP, die in an Peinlichkeit kaum zu überbietender Weise um Stimmen bettelt – da fiel vielen Deutschen die Wahl nicht schwer. Die Bundesbürger setzten damit auch mit dem Wahlzettel Maßstäbe in Europa: Deutschland bleibt auch politisch ein Bollwerk der Stabilität in einem wankenden Kontinent."

Heilbronner Stimme:
"Merkels Koalitionspartner FDP hat die Quittung für eine profillose Politik der letzten Jahre erhalten. Das Betteln um CDU-Leihstimmen auf der Zielgeraden war als einziges Wahlargument beschämend. Deutschland braucht zwar eine liberale Partei. Aber keine Klientelpartei, die inhaltsleer und ohne prägende Spitzenpolitiker auftritt. Ihr Rauswurf aus dem Parlament ist die logische Konsequenz."

Rhein-Neckar-Zeitung:
"Betrogen haben die Liberalen, indem sie vor vier Jahren großmundig Steuersenkungen versprachen, die nicht verwirklicht wurden. Noch schlimmer: die Großspurigkeit, die seit Westerwelle mit liberalen Reden einhergeht. Nicht Inhalte, Sprüche wurden angeboten. (…) Die Sprüche entpuppten sich als ungedeckte Wechsel; der Absturz war überfällig."

Westdeutsche Zeitung:
"Extrem bitter ist das Abschneiden für die FDP. Die Liberalen werden sich neu erfinden müssen. Wenn sie klug sind, ist die große Stunde ihres Hoffnungsträgers aus NRW, Christian Lindner, angebrochen."