CDU und CSU streiten über mögliche Koalitionsverhandlungen mit den Grünen . CSU-Chef Horst Seehofer will mit der Partei nicht über ein Regierungsbündnis reden: "Ich werde solche Gespräche jedenfalls nicht führen. Damit hat sich das", sagte Seehofer dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel . Als Begründung führte Seehofer den "Geist der Bevormundung" an, der die Politik der Grünen präge.  

CDU-Vize Armin Laschet sagte dagegen der Zeitung Die Welt : "Wir sollten neben der SPD auch mit den Grünen reden und dann bewerten, mit wem sich die meisten Inhalte des Unionsprogramms durchsetzen lassen." Diese Offenheit stehe der Union gut zu Gesicht.

Offen für ein Bündnis mit den Grünen zeigte sich auch Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU): "Wir müssen zu der Selbstverständlichkeit kommen, dass demokratische, proeuropäische Parteien untereinander koalitionsfähig sind", sagte er in der ARD-Sendung Hart aber fair . Sowohl Laschet als auch Altmaier gehörten der sogenannten Pizza-Connection an, einer schwarz-grünen Gesprächsrunde, die sich Mitte der 1990er Jahre traf.

Klöckner: "Der Bauch sagt Schwarz-Grün"

CDU-Vize Julia Klöckner äußerte Sympathien für eine Koalition mit den Grünen. Der Bauch sage Schwarz-Grün, der Kopf Große Koalition, sagte Klöckner in der ARD. Merkel hatte am Montag mitgeteilt, sie habe Kontakt mit SPD-Chef Sigmar Gabriel aufgenommen, könne sich aber auch Sondierungsgespräche mit den Grünen vorstellen.

Die Union wird im neuen Bundestag zwar mit Abstand die meisten Abgeordneten haben, benötigt aber einen Koalitionspartner. Der bisherige Bündnispartner FDP war am Sonntag an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

Kretschmann rät zu ernsthaften Gesprächen

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) rief seine Partei auf, sich etwaigen Sondierungsgesprächen mit der Union über eine schwarz-grüne Koalition nicht zu verschließen. "Wir sollten diese mit großem Ernst führen, vorausgesetzt die andere Seite tut das auch", sagte er. Ein Argument für Schwarz-Grün könne sein, dass eine Große Koalition die Möglichkeit habe, mit Verfassungsänderungen zu regieren, wogegen eine kleine Opposition aus Grünen und Linksfraktion machtlos sei.

Zugleich räumte er ein, er halte diese Konstellation für unwahrscheinlich. Denn nach dem Stimmenverlust bei der Bundestagswahl wäre eine solche Kombination eine Herausforderung für die Grünen: "Das wäre eine Sturzgeburt." 

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer sagte, er halte Schwarz-Grün für falsch und für eine Option, die in der Bevölkerung nicht gewollt sei. Das wäre eine 180-Grad-Kehrtwende, sagte Palmer im Deutschlandfunk . "Die Menschen im Land wollen eine Große Koalition. Im Bundesrat gibt es null Stimmen für Schwarz-Grün." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsste den Grünen "schon freiwillig sehr weit entgegenkommen, und so was ist in der Politik nicht üblich".

Hasselfeldt hält an umstrittenem Betreuungsgeld fest

Als "nicht verhandelbar" mit Blick auf die künftige Koalition bezeichnete die CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt das umstrittene Betreuungsgeld . "Das Fass bleibt zu", sagte sie der Welt . Sowohl die Grünen als auch die SPD hatten im Wahlkampf für eine Abschaffung der Leistung plädiert, die an Eltern gezahlt wird, die ihre Kleinkinder im zweiten Lebensjahr nicht in eine öffentliche Kita schicken. Anders als Seehofer plädierte Hasselfeldt jedoch dafür, die Union solle sich alle Optionen für eine Koalitionsbildung offen halten. Ziel müsse eine stabile Regierung sein, sagte Hasselfeldt im Deutschlandfunk. "Und da haben alle demokratischen Parteien eine Verantwortung." 

Seehofer nannte als weiteren Grund für die Absage an Gespräche mit den Grünen die Pädophilie-Debatte und die Rolle von Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin und den zurückgetretenen Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck. "Für mich ist da eine Grenze überschritten", sagte Seehofer. Er fürchte zudem, dass jede Annäherung der Union an die Grünen rechte Extremisten stärken könnte. "Ich kann nur sagen, ein Flirt mit den Grünen, noch dazu in der jetzigen Besetzung, würde sofort den rechten Rand erstarken lassen."

Erste Fraktionssitzungen nach der Wahl

Am Mittag kommen die alten und neuen Fraktionen von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken im Reichstagsgebäude zusammen. Die nach ihrem verbesserten Wahlergebnis auf 311 Abgeordnete angewachsene Unionsfraktion wird ihre Führungsspitze wählen. Es gilt als sicher, dass Fraktionschef Volker Kauder , Parlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (beide CDU) und CSU-Landesgruppenchefin Hasselfeldt im Amt bestätigt werden.

Bei der SPD werden Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann voraussichtlich ebenfalls wiedergewählt. Bei den Grünen und der Linken sollen noch keine Personalentscheidungen fallen.