Der nordrhein-westfälische Fraktionschef Christian Lindner hat eine gründliche Aufarbeitung der schweren Niederlage bei der Bundestagswahl angekündigt. Der künftige FDP-Vorsitzende sagte, die FDP habe "Anlass für Klientelverdacht, Lobby-Vorwürfe und Häme gegeben", selbst wenn dies innerhalb der Partei unbegründet erscheine.

Nach der Wahlniederlage mit nur 4,8 Prozent der Stimmen dürfe die Partei nun weder nach links noch nach rechts rücken, betonte der 34-Jährige.

Lindner kündigte außerdem eine klare Abgrenzung von der Partei Alternative für Deutschland an, indem er mit einem proeuropäischen Kurs fortfahren wolle. "Die FDP bleibt eine Partei mit europäischem Geist", sagte Lindner, "wir sind für Europa, wir wollen Europa."

Lindner hatte am Montag seine Kandidatur für den Parteivorsitz angekündigt. "Jetzt will ich von Düsseldorf aus (…) die Erneuerung der Bundespartei erreichen", sagte er. Er wolle die FDP als respektierte Partei "in der gesellschaftlichen Mitte" verankern und als "unabhängige Kraft" zurück in den Bundestag führen. Trotzdem wolle er Fraktionschef in Düsseldorf bleiben, sagte Lindner. Er werde aber nicht "auf Dauer und für alle Zeit Bundes- und Landesvorsitzender sein".

Der künftige FDP-Vorsitzende kündigte außerdem an, sich einen erheblichen Gestaltungsspielraum in der Partei herauszunehmen. "In dieser außergewöhnlichen Situation beanspruche ich für mich auch außergewöhnliche Möglichkeiten", sagte Lindner. Zu seinem künftigen Spitzenteam machte er zunächst nur wenig Angaben. Zur Zusammensetzung des Teams sagte Lindner: "Die Vielfalt, die wir gesellschaftlich wollen, soll sich im Auftreten der FDP widerspiegeln."