Hans-Christian Ströbele hat das vermutlich einzige Direktmandat der Grünen verteidigt. Im Berliner Wahlkreis 83 holte Ströbele etwa 39 Prozent der Stimmen. Das sind acht Prozentpunkte weniger als 2009. Der 74-Jährige war auf das Erststimmenergebnis angewiesen, da er nicht auf der Landesliste der Grünen steht.

Der gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verpasste ein Direktmandat. Im nordrhein-westfälischen Wahlkreis Mettmann I unterlag er noch klarer als bei der letzten Wahl der CDU-Kandidatin Michaela Noll und zieht nur über die Landesliste in den Bundestag ein. Kanzlerin Angela Merkel erhielt in Vorpommern-Rügen-Greifswald 56 Prozent der Stimmen. Sie hält den Wahlkreis seit 1990.

Das Debakel der FDP traf auch ihren Spitzenkandidaten Philipp Rösler persönlich. In seinem Wahlkreis Hannover-Land 1 kam er auf lediglich 2,6 Prozent der Erststimmen.

Der niedersächsische Spitzenkandidat der AfD, Bernd Lucke, konnte in Harburg lediglich 5,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Er lag damit noch unter dem Zweitstimmenergebnis seiner Partei in dem Wahlkreis.

Aus dem baden-württembergischen Kreis Offenburg zieht Wolfgang Schäuble erneut direkt als CDU-Abgeordneter in den Bundestag ein. Er vertritt den Wahlkreis 284 seit 1972 ununterbrochen. Als Bundesfinanzminister konnte er sich in der Krise abermals profilieren: Diesmal bekam er 56 Prozent der Stimmen – und damit neun Prozentpunkte mehr als 2009.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel kann mit 47 Prozent der Stimmen sein Mandat aus Salzgitter-Wolfenbüttel behalten. Bundestagspräsident Norbert Lammert ist dagegen auf die CDU-Landesliste in Nordrhein-Westfalen angewiesen. In Bochum verlor Lammert gegen den SPD-Bewerber Axel Schäfer. Cem Özdemir, Co-Vorsitzender der Grünen, unterlag in Stuttgart klar. Er erhielt lediglich 27,5 Prozent der Stimmen, steht aber auf Platz zwei der Landesliste. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen verlor in Hannover gegen Edelgard Bulmahn (SPD).

In Göttingen setzte sich SPD-Kandidat Thomas Oppermann knapp gegen Fritz Güntzler (CDU). Auf Platz drei landete in dem Wahlkreis Jürgen Trittin von den Grünen. Er bekam zehn Prozent der Stimmen.

Müntefering geht, Müntefering kommt

Eng war es im Wahlkreis Berlin-Mitte, wo 2009 vier Kandidaten fast gleichauf lagen. Den Zuschlag erhielt die SPD-Kandidatin Eva Högl. Mit 28 Prozent verwies sie Philipp Lengsfeld (CDU/24 Prozent), Özcan Mutlu (Grüne/19 Prozent) und Klaus Lederer (Linke/16 Prozent) auf die Plätze.

Der Wahlkreis Herne-Bochum II schickt erstmals Michelle Müntefering (SPD) in den Bundestag. Die Frau des scheidenden Abgeordneten Franz Müntefering erhielt 48,6 Prozent.

Der Alterspräsident im Bundestag, Heinz Riesenhuber (CDU), bleibt dem Parlament erhalten. Im Wahlkreis Main-Taunus stimmten 43,8 Prozent der Wähler für den ehemaligen Forschungsminister. Damit setzt er seine Abgeordnetenkarriere im Alter von 77 Jahren fort.

Siegfried Kauder, der nach einem Streit mit seiner alten Partei CDU als Einzelbewerber angetreten war, erhielt in Schwarzwald-Baar maximal drei Prozent der Stimmen. Der neue CDU-Kandidat Thorsten Frei erreichte fast 57 Prozent und damit zehn Prozentpunkte mehr als Kauder vor vier Jahren.

Die Ergebnisse der einzelnen Wahlkreise sind auf der Seite des Bundeswahlleiters einsehbar.