Die CDU ist bemüht, Meldungen über Zweitstimmen-Absprachen zugunsten der FDP als lokale Ereignisse darzustellen. Es handle sich um "vereinzelte Entscheidungen vor Ort. Für uns gilt weiterhin: Jede Partei kämpft für sich." Die Praxis sieht etwas anders aus: In Bonn und Heidelberg haben sich Christdemokraten und Liberale darauf verständigt, sich auf die Werbung um die Erst- beziehungsweise Zweitstimmen zu konzentrieren.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnte Unionsanhänger davor, mit der Zweitstimme die FDP zu wählen. Wer Angela Merkel als Kanzlerin wolle, müsse mit beiden Stimmen Union wählen, sagte sie der Welt am Sonntag . Dies sei die Lehre aus der verlorenen Landtagswahl in Niedersachsen, "wo es an wenigen Stimmen hing und die Menschen mit Rot-Grün aufwachten". Aus Sorge um den Fortbestand der schwarz-gelben Koalition die Stimmen zu splitten, sei falsch.

Doch einzelne CDU-Kreisverbände scheren aus dieser offiziellen Parteilinie aus. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat in seinem Bonner Wahlkreis eine Vereinbarung mit dem Ortsverband der CDU geschlossen: Sie sieht vor, dass sich die Bonner CDU auf das Werben um die Erststimme konzentriert und die Bonner FDP auf die Zweitstimme setzt. Die CDU will das Direktmandat zurückholen, das seit 2002 dreimal an den SPD-Politiker Ulrich Kelber ging.

Eine ähnliche mündliche Absprache gibt es im Wahlkreis Heidelberg, wie der dortige FDP-Kandidat und Entwicklungsminister Dirk Niebel der dpa sagte. Ab sofort wolle die CDU auf ihren Plakaten ausdrücklich um Erststimmen werben. FDP-Plakate sollten hingegen Aufkleber mit der Aufschrift "Zweitstimme FDP" erhalten. Diesem Beispiel würden voraussichtlich viele Wahlkreise folgen: "Ohne dass es einer Strategie bedarf, gibt es eine dynamische Welle", sagte Niebel.

Die CDU-Spitze lehnt eine bundesweite Zweitstimmenkampagne ab. Auf einer Veranstaltung in Osnabrück warb Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag dafür, beide Stimmen der CDU zu geben.