Früherer Außenminister - Genscher hoffte auf eine "neue FDP" im Bundestag 2017 Der verstorbene Außenminister und FDP-Politiker Hans-Dietrich Genscher hielt Christian Lindner für den richtigen neuen Parteichef und riet, sich zur SPD zu öffnen. Ein Ausschnitt eines ZEIT-Gesprächs zur Bundestagswahl 2013

Hans-Dietrich Genscher rät seiner Partei zu einem Neubeginn und einem umfassenden Reformprozess: Die FDP werde am Ende der kommenden Legislaturperiode "nicht mehr die alte FDP" sein, sagt der frühere Außenminister und Ehren-Vorsitzende der Liberalen im ZEIT-Gespräch zur Wahl, das N24 am Dienstag um 18.30 Uhr sendet.

Durch das Verpassen der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl und dem damit einhergehenden Ausscheiden aus dem Bundestag würden sich für die FDP auch Chancen und neue Impulse eröffnen. Am Ende werde, so Genschers Hoffnung, eine neue FDP entstehen.

Genscher riet seiner Partei, sich aus dem alten Lagerdenken zu lösen. Koalitionen mit der SPD sollte sie künftig nicht mehr tabuisieren. Dafür müsse eine "selbstständige Partei immer offen sein". Er empfahl der FDP außerdem, sich für neue Themen zu öffnen. Als Beispiele nannte er die Probleme in Europa und in den ostdeutschen Bundesländern, um die sich die FDP nun verstärkt kümmern sollte.

Den künftigen Parteichef lobt der Ehrenvorsitzende: Christian Lindner vermittle Leidenschaft, was oft unterschätzt werde in der Politik. Außerdem sei er ein guter Analytiker und brillanter Redner. Genscher schätzt Lindner schon länger. Im Frühjahr 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Buch.

Die Kanzlerin sei schuldlos

Genscher schreibt seine Partei nicht ab: Er sei der tiefen Überzeugung, dass die FDP "es packen" werde in der außerparlamentarischen Opposition und demnächst zurückkehrt in den Bundestag. Die FDP sei "schon oft totgesagt" worden, sagte Genscher.

Einen eigenen Anteil an der Niederlage weist er von sich. Als früherer Parteichef hätte er sich nicht gegen die amtierenden Führungspolitiker stellen können. Er habe in Gesprächen auf Fehlentwicklungen hingewiesen. Mehr habe er als Exparteichef nicht machen können.

Für Genscher steht fest, dass Angela Merkel keine Schuld am schwachen Wahlergebnis der FDP habe. Wie sich die Partei in der Regierungsverantwortung präsentiert habe sei allein die "eigene Verantwortung" gewesen, sagte Genscher.