Die komplette Führungsriege der Grünen will nach der Wahlniederlage zurücktreten. Das kündigte die Vorsitzende der Partei, Claudia Roth , an. Der Bundesvorstand mit Roth sowie dem Kovorsitzenden Cem Özdemir sowie der Parteirat mit den Spitzenkandidaten Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt würden schon beim nächsten Bundesparteitag im Herbst ihre Ämter aufgeben.

Trittin sagte: "Wir müssen feststellen, dass es in Deutschland eine konservative Mehrheit gibt. Union, FDP und AfD haben mehr als 50 Prozent der Wähler für sich mobilisieren können." Diese Stimmung im Land habe die Partei nicht erkannt.

Zum Bundesvorstand gehören neben Roth und Özdemir Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke , Schatzmeister Benedikt Mayer, Netzpolitiker Malte Spitz und die frauenpolitische Sprecherin Astrid Rothe-Beinlich.

Als Nachfolger Trittins wird Hofreiter gehandelt

Der kollektive Rückzug kann auch als taktisches Manöver gewertet werden. Weil nicht einzelne Führungspersonen ihren Posten aufgeben, eröffnet dies einigen die Möglichkeit, durch den nächsten Bundesparteitag erneut in eine Führungsposition zu gelangen.     

Özdemir ließ durchblicken, dass er sich vorstellen kann, wieder als Parteichef anzutreten. Roth sagte, sie habe sich entschieden, wolle das aber erst der Partei sagen. Fraktionschef Jürgen Trittin ließ offen, ob er für das Spitzenamt in der Fraktion wieder antreten will. "Ich möchte der Diskussion der wiedergewählten Abgeordneten nicht vorgreifen." Auch Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt äußerte sich nicht über ihre Pläne.

Dennoch ist es alles andere als sicher, dass das bisherige Führungspersonal auf Spitzenposten zurückkehren wird . Als möglicher Nachfolger Trittins auf dem Fraktionsvorsitz wird immer wieder der Münchner Abgeordnete Toni Hofreiter genannt, ebenfalls ein Parteilinker. Der 43-Jährige hat sich einen Namen als Verkehrspolitiker gemacht.

Zumindest einen großen Auftritt werden die Spitzengrünen noch haben. Sie sind es, die die Sondierungsgespräche für eine Regierungsbeteiligung führen. Sollten sie sich auf eine Koalition mit der Union einigen, könnten dadurch neue Posten entstehen. Wobei die Chancen dafür äußerst schlecht stehen.

Wahrscheinlicher ist, dass die Grünen weiter in der Opposition bleiben und auf einen der beiden geplanten Parteitage verzichten. Eigentlich war vorgesehen, über eine etwaige Regierungsbeteiligung auf einem Parteitag im Oktober in Berlin und einem weiteren im November in Bonn zu beraten.