Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin schließt sich seiner Amtskollegin Renate Künast an und wird sich ebenfalls nicht mehr um eine weitere Amtszeit bewerben. "Ich werde für die Fraktionsspitze nicht wieder antreten", teilte er per Twitter mit . Diese Entscheidung hatte er kurz zuvor bei einem ersten Treffen der neuen und alten Bundestagsabgeordneten bekannt gegeben. Für den Entschluss soll er langanhaltenden Applaus bekommen haben.

Der 59-Jährige will aber weiterhin eine wichtige Rolle für seine Partei spielen. Zusammen mit der scheidenden Parteivorsitzenden Claudia Roth und deren Kollegen Cem Özdemir sowie Katrin Göring-Eckardt wolle er mögliche Verhandlungen mit der Union führen. "Über Sondierungsgespräche entscheidet nichtdie CSU. Die werden Katrin und ich mit führen", twitterte Trittin mit Blick auf mögliche schwarz-grüne Gedankenspiele.

Trittin war wie Göring-Eckardt Spitzenkandidat seiner Partei und einer der Hauptverantwortlichen für das Programm der Steuererhöhungen, in dem Wahlforscher eine wesentliche Ursache für die Wahlniederlage sehen. Auch Teile seiner Partei, insbesondere der Realo-Flügel, forderten von ihm, den Platz an der Führung der Partei aufzugeben.

Die Grünen-Politikerin Marieluise Beck würdigte Trittins Einsatz für die Grünen . "Die Kollegen waren schon angefasst", sagte sie nach der Fraktionssitzung. Trittin sei ein sehr engagierter Umweltminister gewesen.

Göring-Eckardt will Fraktion führen

Im Gegensatz zu Trittin strebt Spitzenkandidatin Göring-Eckardt weiter eine Führungsposition bei den Grünen an. Sie kündigte ihre Kandidatur als Fraktionsvorsitzende an. "Wir haben eine schwere Führungsaufgabe", sagte sie laut Teilnehmern in der Fraktionssitzung. Die Neuaufstellung ihrer Partei sei eine große Verantwortung, die sie gerne wahrnehmen wolle.    

Als mögliche Konkurrentin Göring-Eckardts um die Nachfolge der Realpolitikerin Künast gilt die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Kerstin Andreae. Als möglicher Nachfolger des Parteilinken Trittins wird der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Anton Hofreiter , antreten. Er erklärte seine Kandidatur am Dienstag. Die Wahl einer neuen Fraktionsführung haben die Grünen auf Anfang Oktober verschoben.

Kampfkandidatur um Bundestagsvizepräsidentschaft

Die Grünen waren bei der Bundestagswahl am Sonntag mit 8,4 Prozent weit hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben. Am Montag bot der Vorstand seinen Rücktritt an, um das Gremium neu wählen zu lassen. Bundeschef Cem Özdemir will sich erneut bewerben. Parteichefin Claudia Roth hat inzwischen angekündigt, nicht erneut zu kandidieren . Sie will sich als Bundestagsvizepräsidentin bewerben.

Für das Parlamentsamt steht den Grünen eine Kampfkandidatur ins Haus. Neben Roth kündigte Künast an, für den Vizeposten im Bundestagspräsidium zu kandidieren. Künast sagte dem Sender Phoenix , sie wolle mit ihrem angestrebten Ämterwechsel vom Fraktionsvorsitz zur Bundestagsvizepräsidentin einen Beitrag zur Verjüngung und Erneuerung der Partei leisten.

Angesichts der Wahlniederlage und den darauf erhobenen Forderungen nach einem personellen Neuanfang sind die Auseinandersetzungen zwischen den traditionellen Flügeln der Partei – hier die Linken um Roth und Trittin, dort die Realos um Özdemir und Künast – neu ausgebrochen. Diese Flügelkämpfe zeigen sich auch bei der Besetzung der vakant gewordenen Posten an Fraktions- und Parteispitze.