Von "Aufbruch und Neuanfang" sprechen auch die beiden Parteichefs Cem Özdemir und Claudia Roth. Unklar ist allerdings vorerst, wie der aussehen soll. Özdemir gab zu verstehen, dass er im Herbst auf einem Parteitag der Grünen wieder als Vorsitzender antreten will. Roth erklärte, sie habe sich entschieden, wolle darüber erst die Partei informieren. Das klang eher nach Rückzug. Linke in der Partei meinen jedoch, wenn Özdemir bleibe, gebe es keinen Grund, dass Roth gehen müsse. Schließlich habe sie die Partei immer wieder zusammengehalten und ist seit zehn Jahren fast ungefochten Grünen-Vorsitzende.

Göring-Eckardt wiederum wurde erst zu Beginn des Wahlkampfes zum Gesicht der Grünen, als sie in einem Mitgliederentscheid zum weiblichen Spitzenkandidaten-Pendant von Trittin bestimmt wurde. Intern heißt es, dass sie sich vorstellen könne, für den Fraktionsvorsitz zu kandidieren. Allerdings wird sie auch von Freunden vom Realo-Flügel für die Niederlage mit verantwortlich gemacht. Ins Gespräch gebracht wird deshalb ein neues Führungsduo der Fraktion aus der bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Kerstin Andreae als Reala und dem Parteilinken Anton Hofreiter.

Die übrigen Personalentscheidungen sollen erst einmal vertagt werden. Denn zunächst, darüber besteht in der Partei Einigkeit, müsse über den künftigen Kurs debattiert werden. Die Realos sehen die Rolle der Grünen in der Mitte. Dort sei nach dem Ausscheiden der FDP "jede Menge Platz", meint Palmer. Auch Özdemir und Göring-Eckardt fordern, die Grünen sollten inhaltlich die Rolle der Liberalen als Bürgerrechtspartei übernehmen. Parteilinke wie der Schleswig-Holsteiner Andresen sehen dagegen keinen Grund für einen Kurswechsel. Und auch Trittin postulierte– etwas wirklichkeitsfremd – die Grünen müssten an ihrem "Erfolgsmodell" festhalten.

Einig sind sich die Flügel offenbar darin, dass sie Schwarz-Grün keine Chance geben wollen. Dafür sei man mit der Union inhaltlich zu weit auseinander, der Wahlkampf um Veggie-Day und Pädophilie-Vorwürfe habe die Gräben eher vertieft. Das Ergebnis von 8,4 Prozent sei auch kein Auftrag zu regieren. Realo Palmer, eigentlich Verfechter eines Bündnisses mit der CDU, formuliert es so: Wenn man Schwarz-Grün wolle, müsse man es langfristig vorbereiten, und man müsse die richtigen Leute dafür haben. "Nach dieser Niederlage würde die Partei das nicht durchstehen."