Der hessische CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier will nach der Abwahl der schwarz-gelben Landesregierung mögliche Koalitionen mit SPD und Grünen ausloten. "Wir haben uns als Union vorgenommen, dass wir den demokratischen Parteien Gespräche anbieten, damit wir eine stabile Mehrheit herbeiführen können", sagte Bouffier . Dieses Angebot sei ernst gemeint. Unter Druck stehe die CDU bei den Gesprächen aber nicht, da die Landesregierung noch bis Mitte Januar im Amt sei.

Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis der Landtagswahl am Sonntag ist die CDU mit 38,3 Prozent erneut stärkste Partei in Hessen . Die bisher mitregierende FDP schaffte es mit 5,0 Prozent ins Parlament. Für eine Fortsetzung der Koalition reicht das aber nicht. Die SPD legte auf 30,7 Prozent zu. Die Grünen kommen auf 11,1 Prozent. Rot-Grün könnte zusammen mit der Linkspartei , die 5,2 Prozent erreichte, eine eigene Mehrheit stellen. 

Diese Konstellation gilt vorerst aber als unwahrscheinlich. Vor fünf Jahren war die damalige hessische SPD-Parteichefin Andrea Ypsilanti mit dieser Koalitionsidee gescheitert, weil sie eine Zusammenarbeit vor der Wahl ausgeschlossen hatte. Die Hessen-SPD war daraufhin jahrelang abgemeldet.

Neben einer großen Koalition wäre im Wiesbadener Landtag auch ein Bündnis von CDU und Grünen möglich – dazu müssten aber beide Parteien große Zugeständnisse machen. Beim Streit um den Lärm am Frankfurter Flughafen etwa liegen die Positionen sehr weit auseinander. Auch eine Ampel-Koalition hätte eine Mehrheit.

Schäfer-Gümbel will weder mit CDU noch Linkspartei

SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel will in den kommenden Tagen zunächst mit den Grünen sprechen. Er sehe derzeit keine politischen Grundlagen für eine Zusammenarbeit, weder mit der CDU, mit der die SPD in der Schulpolitik uneins ist, noch mit der Linkspartei, sagte Schäfer-Gümbel im Hessischen Rundfunk.

"Es gibt bei der Linkspartei Positionen, die ich für absolut abwegig halte", sagte der SPD-Politiker. Das fange bei der Ablehnung der Schuldenbremse an und gehe bis zur Forderung nach der Stilllegung der neuesten Landebahn am Frankfurter Flughafen. "Am heutigen Abend fehlt mir dafür die Fantasie." Explizit ausschließen werde er aber keine Konstellation.

FDP-Landeschef Hahn zieht sich zurück

Die hessische FDP zog aus dem Wahlergebnis Konsequenzen. Der Landesvorstand und das Präsidium würden ihre Ämter zur Verfügung stellen, kündigte FDP-Landeschef Jörg-Uwe Hahn an. Er selbst werde bei Neuwahlen nicht mehr kandidieren. Der Wechsel solle in den kommenden ein, zwei Monaten vollzogen werden, sagte Hahn. Beim Parteitag im November könnte dann ein neues Präsidium und ein neuer Vorstand gewählt werden.

"Ich habe deutlich gesagt, dass ich für das Präsidium und für den Landesvorstand nicht mehr antreten werde", sagte Hahn. Es stehe ein Generationswechsel bei den Liberalen an. Namen über mögliche Nachfolger seien nicht diskutiert worden.