Die Linksfraktion in Hessen geht auf SPD und Grüne zu. "Ich schließe eine Tolerierung nicht aus", sagte Linke-Spitzenkandidatin Janine Wissler der taz. Zwar habe der Wahlkampf von SPD und Grünen gegen die Linke nicht das Vertrauen gestärkt. "Aber es geht hier nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um politische Inhalte", sagte Wissler.

SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel hat sich bislang zurückhaltend zu einer Zusammenarbeit sowohl mit der CDU von Ministerpräsident Volker Bouffier als auch mit der Linken geäußert, ohne eine Option explizit auszuschließen. "Es gibt bei der Linkspartei Positionen, die ich für absolut abwegig halte", sagte der SPD-Politiker. Das fange bei der Ablehnung der Schuldenbremse an und gehe bis zur Forderung nach der Stilllegung der neuesten Landebahn am Frankfurter Flughafen. Am Samstag trifft sich der Parteirat der Hessen-SPD in Frankfurt, um das Wahlergebnis vom 22. September zu analysieren.

Wissler sagte zur Schuldenbremse, ihre Partei lehne diese weiterhin ab. "Aber natürlich ist es schwer, diese wieder aus der Verfassung herauszukriegen, dort hinein ist sie per Volksabstimmung gekommen." Steuererhöhungen könnten ein Ausweg sein: "Wir wollen jedenfalls eine stärkere Besteuerung von Reichtum", sagte Wissler.

Zur Forderung nach der Schließung der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen sagte die Linksfraktionschefin im hessischen Landtag, auch SPD und Grüne rückten von den Ausbauplänen ab und seien gegen den Bau des Terminals 3. "Wenn man dieses nicht baut, kann man auch die neue Landebahn stilllegen, weil man die gar nicht braucht", sagte Wissler.

Menetekel Ypsilanti-Niederlage

Schwarz-Gelb kommt im hessischen Landtag auf 53 Sitze, SPD und Grüne haben zusammen 51 Sitze, die Linke hat sechs Abgeordnete. Mindestens drei von ihnen müssten also jeweils rot-grünen Gesetzesvorhaben zustimmen.

Neben konkreten inhaltlichen Differenzen erschwert der SPD die Erfahrung von 2008 eine Zusammenarbeit mit der Linksfraktion. Die damalige SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti wollte vor fünf Jahren eine von der Linken tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung, scheiterte aber mit diesem Plan an der fraktionsinternen Opposition. Ypsilanti hatte im Wahlkampf noch ein Bündnis mit der Linken ausgeschlossen, weshalb ihr damals Wortbruch vorgeworfen wurde.

Ypsilanti empfahl ihrer Partei nun, nicht länger auf eine Abgrenzungsstrategie zur Linkspartei zu setzen. Dies sei "eine schlechte Voraussetzung, um eine Reformregierung zu stellen", sagte Ypsilanti dem Tagesspiegel. In Hessen laufe die Diskussion über rot-rot-grüne Bündnisse im Vergleich zu 2008 inzwischen unverkrampfter: "Es hat sich etwas getan." Im Neuen Deutschland sagte die SPD-Politikerin mit Blick auf eine mögliche Tolerierung durch die Linkspartei: "Denkbar ist eigentlich alles. Wichtig ist, dass es eine stabile Regierung gibt."

SPD und Grüne könnten in Hessen jedoch auch eine Ampel-Koalition mit der FDP bilden. Der hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch, der als Nachfolger des scheidenden FDP-Chefs Jörg-Uwe Hahn im Gespräch ist, könnte dafür der richtige Mann sein. Anders als Hahn gilt er als Sozialliberaler.