Unionsfraktionschef Volker Kauder hat die SPD davor gewarnt, Koalitionsverhandlungen mit der Union zu verzögern . " Europa wartet nicht auf die Regierungsbildung in Deutschland. Wir müssen handlungsfähig sein", sagte der CDU-Politiker dem Magazin Spiegel .

So wie CSU-Chef Horst Seehofer zeigte sich Kauder davon überzeugt, dass eine Große Koalition besser passe als ein Bündnis zwischen Union und Grünen . Zum einen sei die SPD schlicht die größere Fraktion, aber "nach den Aussagen im Wahlkampf ist das für mich auch inhaltlich die richtige Präferenz", sagte er.

Innerhalb der SPD, die am Freitag auf einem Parteikonvent über die weiteren Schritte beraten und entscheiden will, gibt es allerdings erhebliche Vorbehalte gegen eine Neuauflage von Schwarz-Rot . "Die Skepsis in der SPD ist sehr groß", fasste die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles die Stimmung in ihrer Partei zusammen. Die Bedenken der Kritiker wögen schwer.

Dies trifft vor allem auf die Vertreter des linken Parteiflügels zu, zu dem auch Ralf Stegner gehört. "Natürlich hat hier niemand eine Neigung, mit Frau Merkel zusammen zu regieren", sagte der schleswig-holsteinische SPD-Chef im RBB-Inforadio. Und die in der SPD einflussreiche Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens , Hannelore Kraft , betonte, die SPD sei nicht angetreten, um als Mehrheitsbeschafferin die Union an der Regierung zu halten.

"Erst der Staat, dann die Partei"

Solche parteitaktischen Überlegungen will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) bei der Bildung einer neuen Regierung nicht gelten lassen. "Wir haben alle gelernt, dass wir auch eine Verantwortung für den Staat haben", sagte der CDU-Politiker am Montagabend im ZDF . "Erst kommt der Staat und dann die Partei und nicht umgekehrt. Und das wird dann auch für die anderen gelten."

In einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung erinnerte er wie sein Parteikollege Kauder an die europapolitische Verantwortung von SPD und Grünen, mit denen man den bisherigen Kurs in der Euro-Schuldenkrise fortführen will. "Die Bundeskanzlerin ist eine der zentralen Persönlichkeiten in Europa", so Schäuble. Man habe unbeirrbar Kurs in der Euro-Politik gehalten. "Das muss im Interesse Deutschlands und unserer Zukunft auch so bleiben."

Ein schwarz-rotes Bündnis stößt auch auf Zustimmung einer deutlichen Mehrheit der Deutschen. Das geht aus dem Deutschlandtrend Extra der ARD hervor, der am Montagabend veröffentlicht wurde. In der Umfrage des Instituts Infratest dimap sprachen sich 64 Prozent der Befragten für eine Regierung aus Union und SPD aus. 32 Prozent würden lieber eine schwarz-grüne Koalition sehen. Für ein rot-rot-grünes Bündnis plädieren 25 Prozent der Befragten.