Nadeschda Tolokonnikowa , Aktivistin der russischen Punkband Pussy Riot , ist in Einzelhaft verlegt worden. Menschenrechtler werten das als Reaktion der Gefängnisleitung auf den Hungerstreik der 23-Jährigen, mit dem sie seit Montag gegen die extreme Zwangsarbeit, sklavenartige Behandlung und Todesdrohungen eines Justizbeamten in ihrem Arbeitslager protestiert.

Tolokonnikowas Anwältin Irina Chrunowa sagte, dass ihre Mandantin nicht in eine "Strafzelle" verlegt worden sei. Dies hatte die regionale Gefängnisaufsicht zunächst mitgeteilt, diese Angaben inzwischen aber selbst wieder zurückgenommen. Ein Sprecher sagte der Agentur Interfax, es sei eine "Zelle mit komfortablen Bedingungen, sieben Quadratmeter groß, mit Schlafbereich, Kühlschrank und Toilette".

"Derzeit arbeitet sie nicht, ihr wird Essen gebracht", beschrieb der Menschenrechtler Gennadi Morosow der Agentur Interfax die Haftbedingungen der Aktivistin, die sich seinen Worten zufolge in "Einzelhaft" befinde. "Falls sie ihren Hungerstreik fortsetzt, wird sie täglich von Ärzten untersucht werden."

Vorzeitige Entlassung abgelehnt

Tolokonnikowa sitzt noch bis Anfang März 2014 eine zweijährige Haftstrafe wegen "Rowdytums" und "Anstachelung zu religiösem Hass" ab. Dazu war sie gemeinsam mit ihrer Bandkollegin Maria Alechina im August vergangenen Jahres verurteilt worden. Die Gruppe, zu der auch die zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Jekaterina Samuzewitsch gehört, hatte im Februar 2012 in einer Moskauer Kathedrale ein "Punkgebet" gegen Staatschef Wladimir Putin aufgeführt.

Für die junge Mutter Tolokonnikowa – sie hat eine vierjährige Tochter – sind die Zustände in der Arbeitskolonie Nummer 14 in Mordowia offenbar unerträglich. Im Mai hatte sie ihren zweiten Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt, der von der russischen Justiz abgelehnt worden war.