Im Streit um eine Regierungszusammenarbeit mit der Union will sich SPD-Chef Sigmar Gabriel absichern: Internen Informationen nach strebt er einen Mitgliederentscheid über die Große Koalition an. Dabei würde die Parteibasis nach Ende der Koalitionsverhandlungen über die Inhalte des Koalitionsvertrags abstimmen.  

Gabriel wolle das den 200 Delegierten vorschlagen, berichtete die Süddeutsche Zeitung . Die Abstimmung solle möglichst noch vor dem ordentlichen SPD-Parteitag am 14. November geschehen.

Damit verknüpften Gabriel und andere SPD-Politiker ihr politisches Schicksal mit dieser Bündnisfrage. Die Zeitung zitiert Parteikreise, der Parteichef und die weiteren Verhandlungsteilnehmer könnten sich kaum wieder für Führungsämter bewerben, wenn die Basis ihre Verhandlungsergebnisse ablehne.

Einen Entscheid der etwa 470.000 Mitglieder über eine Große Koalition hatten auch mehrere SPD-Landesverbände gefordert.  SPD-Vorstandsmitglied Ralf Stegner , Landeschef in Schleswig-Holstein , sagte, ein Entscheid sei Chance und Risiko zugleich. "Die Basta-Zeiten sind vorbei. Das war ein Teil unserer Probleme in der Vergangenheit."

Thüringens SPD-Landeschef Christoph Matschie lehnte hingegen einen Mitgliederentscheid ab. "Unsere Gremien und der Parteitag sind demokratisch gewählt und die richtigen, um das zu entscheiden", sagte er ZEIT ONLINE.

Die SPD fürchtet, in einer Großen Koalition ihr Profil zu verlieren und zu wenig durchsetzen zu können, da Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) und ihrer Union nur fünf Bundestagsmandate zur absoluten Mehrheit fehlen. 

Mehrheit für Große Koalition

Merkel und Gabriel hatten nach der Wahl bereits miteinander telefoniert. Die Union hofft auf erste Sondierungsgespräche mit der SPD in der kommenden Woche. 

Die SPD-Wähler sind laut einer Umfrage mehrheitlich für eine Große Koalition: 56 Prozent sprachen sich laut Deutschlandtrend dafür aus. Unter den Unionswählern sind es 62 Prozent. 

In der Gesamtbevölkerung befürworten 48 Prozent ein solches Bündnis. Für ein schwarz-grünes Bündnis plädierten 18 Prozent, für ein Zusammengehen von SPD und Grünen mit der Linken 16 Prozent.